Nach wie vor reibt man sich die Hände: Traditionell gilt die Investition in fossile Brennstoffe und die zugehörige Industrie als eine vergleichsweise sichere Anlagemöglichkeit für Kapital. Auch in den Zeiten der Bemühungen um Reduktion des Verbrauchs hat sich dies kaum geändert, denn die scheinen bisher kaum zu fruchten. Unter anderem sorgen kritische Entwicklungen wie der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen dafür, dass das Vertrauen der Investoren in die fossilen Brennstoffe hoch bleibt. Doch wie nun ein internationales Team aus Ökonomen und Politikexperten warnt, könnten sich die Anleger bei ihren Erwartungen kostspielig verrechnet haben.
Den Finanzmärkten drohen „Blähungen“
Im Rahmen ihrer Studie haben sie umfangreiche Simulationen durchgeführt, aus denen hervorgeht, wie sich die Nachfrage nach fossilen Energieträgern vor dem Hintergrund verschiedener Faktoren entwickeln wird. Wie sie berichten, zeichnet sich ab, dass sich durch technische Entwicklungen weit unterschätzte Einsparungen im Energiebedarf ergeben werden. Beispiele sind etwa immer sparsamere Geräte, Autos und Gebäudetechniken. “Bisher hat man bei der Beurteilung der Entwicklung vor allem der wahrscheinlichen Wirksamkeit der Klimapolitik Beachtung geschenkt, aber nicht dem technologischen Wandel”, betont Co-Autor Jean-Francois Mercure von der University of Cambridge.
Aus den Simulationen der Forscher geht hervor, dass der Nachfragerückgang durch den Faktor Technologieentwicklung das Potenzial hat, riesige Reserven an fossilen Brennstoffen noch vor dem Jahr 2035 in “verlorene Vermögenswerte” zu verwandeln. Werden zudem auch politische Ziele zum Klimaschutz irgendwann doch noch konsequent umgesetzt, verschärft dies die Lage weitert. Die finanziellen Dimensionen werden dann möglicherweise gigantisch sein, warnen die Forscher: Beim Platzen einer Kohlenstoff-Spekulationsblase könnte demnach das Äquivalent von einer bis vier Billionen US-Dollar verpuffen. Zum Vergleich: Die berüchtigten Komplikationen an den Finanzmärkten von 2008 wurden von einem Verlust von etwa 0,25 Billionen US-Dollar ausgelöst.
Gewinner und Verlierer
Abgesehen von den Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten weitere erhebliche wirtschaftliche Folgen auftreten. Dabei könnte es allerdings Verlierer und Gewinner geben, sagen die Forscher: Japan, China und viele EU-Staaten, die derzeit auf teure fossile Brennstoffimporte angewiesen sind, könnten demnach profitieren. Ihre nationalen Ausgaben zur Deckung des Energiebedarfs könnten sinken und Investitionen in moderne Technologien könnten sich bezahlt machen. In Exportländern für fossile Brennstoffe mit relativ hohen Produktionskosten, wie Kanada, den USA und Russland, würde der Preisverfall jedoch die einheimische fossile Brennstoffindustrie vermutlich hart treffen.





