Diesem Roman verzeiht man haarsträubende Zufälle und fürchterlich ungelenke Sexszenen. Benörgeln könnte man auch, dass der Autor gar viel in diese Geschichte von der Verlegung des ersten Transatlantikkabels gepackt hat. Da tritt am Rand ein gewisser Karl Marx als (scheiternder) Aufwiegler auf. Auch Abraham Lincoln schaut rasch auf eine Szene vorbei. Außerdem ist am Projekt Datenhighway ein Vorkämpfer der Joggingkultur beteiligt, welcher auch gleich noch Zeit findet, das Kanalisationsproblem von London zu lösen. Rausch ist sehr offensichlich ein literarisches Konstrukt. Beispielhaft arbeitet der Protagonist und Ingenieur Chester Ludlow seinen Kummer über den Verlust der eigenen Tochter am Zukunftswerk ab – während seine Frau den Blick nicht von der Vergangenheit abwenden kann und ihrerseits eine Verbindung herstellt: Sie kabelt ins Jenseits, legt eine Leitung zur toten Tochter. Aber Rausch ist gleichzeitig ein grandioser Schmachtfetzen. Der Leser schaukelt und leidet mit, wenn ein Wahnsinnssturm beinahe das Schiff der Pioniere versenkt. Er hält sich die Nase zu, wenn leidenschaftlich beschriebener Fäkalgeruch aus den Seiten dampft. Denn Griesemer ist ein kraftstrotzender Erzähler, der beim Schildern des Aufbruchs in die Moderne aus dem Vollen schöpft und den Leser damit in einen Leserausch stürzt. Urs Willmann





