Als meine Tochter noch klein war, hielt sie mich für den schönsten, stärksten und klügsten Mann der Welt. Inzwischen sind ihre Ansichten über mich leider ins Gegenteil umgeschlagen. Als ich vor ein paar Tagen in ihr Zimmer kam, um sie zum Essen zu rufen, heftete sie gerade mit Stecknadeln ein Poster an die Wand. Es zeigte eine stilisierte Tabakspfeife, unter der „Ceci n’est pas une pipe.” geschrieben stand. Mein Französisch ist zwar schon ziemlich eingerostet, aber dass der Satz „Dies ist keine Pfeife.” bedeutete, konnte ich doch noch übersetzen. „Warum behauptet dein Poster, dass die Pfeife keine Pfeife ist? Und was ist das überhaupt für ein Bild?”, fragte ich Christina. „Mmnt ml”, brummte sie und nahm die Stecknadeln aus dem Mund. „Das Bild hat der belgische Maler René Magritte 1929 gemalt. Magritte war Surrealist. Er versuchte, mit seinen Werken, Denk- und Sehgewohnheiten zu erschüttern und die Wirklichkeit mit dem Traum zu vermischen. Deswegen behauptet er von seiner Pfeife, dass sie keine Pfeife sei.” „Aha”, sagte ich, und versuchte, ein kluges Gesicht zu machen. Aber meine Tochter durchschaute mich natürlich. „Tu doch nicht so, als ob du das verstanden hättest. Ich werde es dir noch einmal ganz langsam erklären”, sagte sie. „ Magritte hat sein Werk ,Der Verrat der Bilder‘ genannt. Das Bild macht eine falsche Aussage über sich selbst. Das gibt es auch in ganz anderen Bereichen.” Sie nahm ein Blatt Papier und schrieb darauf: „Dieser Satz hat nicht einundvierzig Buchstaben.” Dann gab sie mir das Blatt und sagte: „Zähl doch mal nach.” Ich tat, wie mir geheißen. Es waren genau einundvierzig Buchstaben. „Der Satz lügt also”, sagte Christina. Dann nahm sie einen Radiergummi und radierte das Wort „nicht” weg. Jetzt stand auf dem Blatt: „ Dieser Satz hat einundvierzig Buchstaben.” Ich zählte erneut die Buchstaben und kam diesmal auf sechsunddreißig. Der Satz war also immer noch falsch. „Diesen Satz habe ich mir ausgedacht. Er erscheint in der nächsten Ausgabe unserer Schülerzeitung”, erklärte mir Christina stolz. „Naja, eine besonders große geistige Leistung war das ja wohl nicht”, warf ich ein. Das hätte ich wohl besser nicht gesagt. Aus Erfahrung hätte ich eigentlich wissen müssen, dass der Schuss nach hinten losgehen würde. „ Meinst du?”, sagte Christina schnippisch. „Dieser Satz hat genau … mal … gleich … Buchstaben”, schrieb sie auf einen Zettel. „Dann kannst du mir doch bestimmt sofort sagen”, forderte sie mich heraus, „welche drei Zahlwörter man für die Pünktchen einsetzen muss, damit der Satz wahr wird.” Natürlich konnte ich es nicht. Wissen Sie, wie viele Buchstaben der Satz hat, wenn man ihn durch drei verschiedene Zahlwörter zu einer wahren Behauptung macht? Dabei gelten ä, ö, ü und ß als Einzelbuchstaben und dürfen nicht durch ae, oe, ue und ss ersetzt werden. Die Buchstabenzahl ist übrigens eindeutig.
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Mai 2008 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 05|08″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im August-Heft 2008 veröffentlicht.
Zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden ein Hauptgewinn und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinn ist das Monokular MiniQuick 5 x 10 T* von Zeiss in einer Weichledertasche. Es hat eine fünffache Vergrößerung, ist extrem leicht (23 Gramm), kompakt (nur 11,3 Zentimeter lang), spritzwasserdicht und lässt sich wie ein Füllfederhalter überallhin mitnehmen. Mehr Informationen unter: www.zeiss.de. Buchpreis ist „Darwinisch denken”. Volker Sommer, Professor für Evolutionäre Anthropologie am University College London, beschreibt darin die Horizonte der Evolutionsbiologie – zum Beispiel Traditionspflege bei Tieren, das Töten von Artgenossen, Altruismus und Egoismus bei Affen sowie biologische und philosophische Fragen zum Rassismus und Artbegriff. Mehr darüber unter: www.hirzel.de.





