Eigentlich war der Hamburger Apotheker und Alchemist Henning Brand 1669 auf der Suche nach dem sagenumwobenen „Stein der Weisen” – einer Substanz, die imstande wäre, unedle Metalle wie Eisen oder Quecksilber in Gold und Silber zu verwandeln. Brand kam auf die eigenwillige Idee, diesen Stoff aus Urin zu gewinnen, indem er ihn erhitzte. Heraus kam eine weiße, wachsartige Substanz, die im Dunkeln leuchtete, hoch entzündlich war und grellweiß brannte. Brand nannte sie „kaltes Feuer”, Fachkollegen bezeichneten sie später als „phosphorus mirabilis” („wundersamer Lichtträger”). Der Phosphor war entdeckt.
Zuvor hatte man nur zwölf chemische Elemente wie Gold, Eisen und Schwefel gekannt – alle bereits seit der Antike. Phosphor war das erste entdeckte Element der Neuzeit. Brand verkaufte die neue Substanz und sein Produktionsverfahren, doch reich wurden damit andere. Zunächst nutzte man Phosphor vor allem für Zündhölzer, erst Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man sein Potenzial als Dünger. Dazu werden schwer lösliche Phosphate mit Mineralsäuren aufgeschlossen, damit die Pflanzen sie schneller aufnehmen können. Die besten Phosphatquellen fand man dort, wo viele Vögel ihren Kot auf Kalkstein hinterlassen hatten. Dieser Guano enthielt bis zu 40 Prozent Phosphat und bildete zum Beispiel auf Nauru im Südpazifik bis zu 25 Meter dicke Schichten. Ende des 20. Jahrhunderts waren die weltweiten Guano-Vorräte weitgehend abgetragen.




