Dann rechnet er mit der Alternativmedizin ab. Wer das Kapitel über Homöopathie gelesen hat, kann nicht mehr an sie glauben. Wer es ohnehin nie getan hat, findet hier eine Argumentationshilfe, um Gläubige zu bekehren. Doch Goldacre verteidigt nicht etwa blind die Schulmedizin. Auch die Pharmaindustrie kritisiert er scharf und erklärt, wie sie immer wieder Ärzte und Patienten täuscht. So werden viele Daten aus klinischen Studien nicht veröffentlicht, weil sie der Arzneimittelindustrie, die sie bezahlt hat, nicht gefallen. Und die Studien, die dann publiziert werden, sind oft mit statistischen Tricks manipuliert.
Am Ende des Buchs geht es um die Rolle der Medien: Goldacre berichtet, wie britische Zeitungen und Fernsehsender über Jahre verbreiteten, dass die kombinierte Mumps-Masern-Röteln-Impfung Autismus bei Kindern verursache, obwohl die Fakten dagegen sprachen. In den Medien haben Geisteswissenschaftler das Sagen, die wenig von Naturwissenschaften verstehen und ihre Unkenntnis auf diesem Gebiet wie einen Orden auf der Brust tragen, schreibt Goldacre. Auch wenn deutschsprachige Massen-Medien ein etwas höheres Niveau haben dürften als britische die Mechanismen, wie und warum sie Pseudowissenschaft verbreiten, sind dieselben. Am Ende des Buchs ist der Leser schlauer. Denn er hat Mittel an der Hand, um gute von schlechter Wissenschaft zu unterscheiden.
Frederik Jötten




