Geld regiert die Welt: nicht bei Geschenken
In unserer heutigen Gesellschaft muss für jedes Produkt und jede Dienstleistung bezahlt werden. Das Geben und Nehmen folgen dabei wirtschaftlichen Grundsätzen. Menschen kalkulieren einen Preis für einen bestimmten Gegenstand oder berechnen eine gewisse Summe für eine Zeitspanne. Das Schenken an sich spricht also gegen jegliche wirtschaftliche Vernunft. Nichtsdestotrotz sind Geschenke bereits seit Jahrhunderten in nahezu jeder Gesellschaft fest verankert. Dabei steckt hinter dem Schenken auch ein psychologisches Phänomen. Denn grundsätzlich wird keine Gegenleistung für ein Geschenk eingefordert. Wer sich mit einem Geschenk aber viel Mühe gibt und im Gegenzug ein Paar Socken geschenkt bekommt, ist dennoch oft enttäuscht. Geschenke zwischen Privatpersonen sind also in der Regel eine fortlaufende Kette. Auf jedes Schenken folgt irgendwann ein Geschenk des Gegenübers. Etwas anders verhält es sich hingegen im wirtschaftlichen Bereich. Ein Kugelschreiber oder Rucksack mit Logo wird nicht verschenkt, um selbst irgendwann vom Geschäftspartner ein Präsent zu erhalten. Hierbei wird viel mehr die Wertschätzung zum Ausdruck gebracht. Hinter dieser Art von Geschenk steckt natürlich längst ein wirtschaftliches Kalkül. Beschenkte Kunden fühlen sich geehrt, was wiederum die Bindung stärkt.
Das Schenken sollte nicht kommerziell werden
In den letzten Jahren hat sich in vielen Familien und Freundeskreisen ein Anti-Trend entwickelt. Das größte Geschenk ist hierbei oft, keine Geschenke zu erhalten. Dies hat vor allem mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Geschenke zu tun. Ob Namenstag, Weihnachten oder Valentinstag -es gibt immer mehr Anlässe, bei denen durch geschicktes Marketing suggeriert wird, dass die Menschen sich einander beschenken müssten. Dadurch entsteht natürlich ein gewisser Druck. Doppelte Geschenke gelten häufig als No-Go. Wer einen breiten Freundeskreis und eine große Familie hat, kommt aus dem Schenken oft gar nicht mehr heraus. Um sich selbst die Last von den Schultern zu nehmen, wird dann häufig auf Geschenke verzichtet. Doch auch diese Abmachung ist oft nicht so einfach und irgendjemand bringt garantiert immer ein Präsent mit. Bleibt man seiner Entscheidung treu, meldet sich oft das schlechte Gewissen zu Wort. Verschenkt man selbst wieder, beginnt der Teufelskreis von vorn.
Der Warm-Glow-Effekt
Wenn Menschen etwas verschenken, fühlen sie sich in der Regel gut dabei. Dieses Gefühl hat mit dem Warm-Glow-Effekt sogar seinen eigenen Namen erhalten. Vermutlich ist dies auch mit ein Grund dafür, warum viele Menschen so gerne Präsente machen. Mit einem Geschenk kann aber auch die eigene Liebe zum Ausdruck gebracht werden. Wer andere Menschen gerne mag, versucht, sie glücklich zu machen. Durch das Schenken kann aber auch Achtsamkeit und Wertschätzung gezeigt werden. Denn ein Geschenk kostet entweder Zeit oder Geld. Somit lässt sich ausdrücken, was einem das Gegenüber wert ist. Der Warm-Glow-Effekt kann aber nicht immer transportiert werden. Wenn ein Abenteuerliebhaber einem Couch-Potato einen Fallschirmsprung schenkt, wird dies eher Unbehagen auslösen. Dann kann die Enttäuschung schon einmal auf beiden Seiten groß werden. Die beschenkte Person ist unglücklich, weil das Geschenk nicht die eigenen Erwartungen erfüllt. Die verschenkende Person hätte sich hingegen eine andere Reaktion erwartet.





