Ausgezeichnet als Wissenschaftsbuch des Jahres 2009 in der Kategorie ZÜNDSTOFF das Buch, das ein brisantes Thema am kompetentesten darstellt
Mit Ulrich Schnabel könnte man wunderbar streiten. Jeder wird ihm irgendwo widersprechen, egal, ob er sich zu den Gläubigen zählt oder zu denen, die über dieses Phänomen den Kopf schütteln. Die klare Sprache und der Wechsel der Stilmittel Report, Interview, Anekdote machen dieses Buch zu einem entspannten Lesevergnügen. Schnabel geht keiner Frage aus dem Weg: Sei es das verzwickte Verhältnis von Glauben und organisierter Religiosität (Kirche), sei es die Evolution des Glaubens oder die Frage, ob man über Religion lachen darf. Man darf, findet Schnabel.
Unbestritten ist, dass vielen Menschen ihr Glaube hilft. Das tun Scheinmedikamente (Placebos) und gute Worte ja auch, wie Schnabel dokumentiert. Aber wo Millionen Menschen pilgern und beten, erzwingen es die Gesetze der Wahrscheinlichkeit, dass immer einige darunter spontan von einer Krankheit gesunden. Keine Wunder, nur Statistik.
Religionsskeptiker werden vergnügt nachlesen, mit welchen Methoden Neurophysiologie, Hirnforschung und Pharmazie den biologischen Wurzeln des Glaubens nachspüren. Glaubende werden das vermutlich gar nicht wissen wollen. Hier enthält sich der Autor übrigens einer klaren Position. Was stimmt denn nun? fragt er mehrfach. Oder, frei nach Brecht: Das Buch klappt zu, und alle Fragen offen. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache.
Jury-Mitglied Jürgen Nakott





