Als ich im letzten Sommer in einem Café im Stadtpark saß, sprach mich ein Mann vom Nebentisch an: „Kennst du mich nicht mehr?” Das Gesicht kam mir vage bekannt vor und ich kramte in meinem Gedächtnis. „Werner?”, fragte ich. „Ja, wer denn sonst?” Er nahm seine Tasse und setzte sich an meinen Tisch. Wir waren zusammen zur Schule gegangen, und ich hatte ihn seit dieser Zeit nicht mehr gesehen. Aus dem blassen, schmalen Jüngling mit dem langen Haar war ein braun gebrannter, kräftiger Glatzkopf geworden – kein Wunder, dass ich ihn nicht gleich erkannt hatte. Werner erzählte mir, dass er seit vielen Jahren auf einer Gasbohrstation in Algerien arbeitete und nur alle zwei Jahre für ein paar Wochen nach Deutschland käme, um seine Eltern zu besuchen. Meine Firma arbeitet mit einem algerischen Unternehmen zusammen, und ich fliege hin und wieder zu Besprechungen nach Algier. „Komm’ mich doch das nächste Mal in Abu Telfan besuchen”, lud mich Werner ein. – Heute war es nun so weit. Ich war mit dem Bus 15 Stunden lang von Algier bis in eine Kleinstadt namens Hessasna gefahren, wo Werner mich abholte. Jetzt saßen wir in seinem Geländewagen und fuhren aus der Stadt heraus. Am Ortsausgang gabelte sich die Straße. An der rechten Abzweigung stand auf einem Schild „Abu Telfan 21 km” und an der linken auf einem anderen Schild „Souk Alhad 33 km”. Werner hatte den Blinker gesetzt und wollte rechts abbiegen, als er plötzlich laut fluchend bremste. „So ein Mist! Die Straße ist gesperrt. Dabei war sie auf dem Hinweg noch frei.” Quer über der Fahrbahn standen einige Pylone, und ein mit einem arabischen Wort beschrifteter Pfeil wies in die linke Straße. „Wir müssen die Umleitung über Souk Alhad nehmen.” Werner wollte gerade wieder anfahren, als ein bärtiger alter Mann an die Scheibe klopfte. „Fahren Sie nach Abu Telfan?”, fragte er auf Französisch. Werner nickte und sagte: „ Wenn Sie mitfahren wollen, steigen Sie ein.” Während der Fahrt erklärte Werner: „Hier in der Wüste sind die Straßen zwischen den Orten alle schnurgerade. Die drei Straßen, die Hessasna, Souk Alhad und Abu Telfan miteinander verbinden, bilden also ein perfektes Dreieck. Zufällig sind ihre Längen sogar ganzzahlige Kilometerwerte.” Wir waren erst ein paar Minuten unterwegs, als unser Mitfahrer sagte: „Sie brauchen nicht ganz bis Souk Alhad zu fahren. Es gibt eine Schotterpiste, die diese Straße mit der Straße von Hessasna nach Abu Telfan verbindet. Mit dem Geländewagen ist sie gut befahrbar.” „Das nützt uns nichts, denn die Straße von Hessasna nach Abu Telfan ist doch gesperrt”, wandte Werner ein. „Die Baustelle ist direkt hinter Hessasna, danach ist die Straße frei”, sagte unser Mitfahrer. Wir waren genau eine ganze Zahl von Kilometern auf der Straße von Hessasna nach Souk Alhad gefahren, als der bärtige Mitfahrer auf eine kaum erkennbare Piste wies. „Hier müssen wir abbiegen”, sagte er. Wir nahmen die Piste und fuhren schnurgerade durch die Wüste. Nach einiger Zeit stießen wir auf die Straße von Hessasna nach Abu Telfan. Von dort aus erreichten wir ohne weitere Behinderungen Abu Telfan. Als wir das Ortsschild passierten, warf ich einen Blick auf den Kilometerzähler und stellte überrascht fest, dass die drei geraden Abschnitte unseres Weges von Hessasna nach Abu Telfan genau gleich lang gewesen waren. Wissen Sie, wie lang unser Weg von Hessasna nach Abu Telfan war?
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Oktober 2013 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 10|13″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im Januar-Heft 2014 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.
Das gibt es zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Buchpreis ist „ Die
Berechenbarkeit der Welt” von Bernd-Olaf Küppers. Darin beschreibt der Biologie, Physiker und Philosoph die Fortschritte und Grenzen bei der Suche nach dem Verständnis des Lebens und der Sprache sowie der Natur von Zeit und Materie. Und er geht der Frage nach, ob es prinzipiell unlösbare Welträtsel und Schranken der Wissenschaften gibt. Küppers, der selbst wichtige Beiträge zu diesen Themen geleistet hat, erklärt seinen Lesern viele überraschende Einsichten und philosophische Hintergründe. Mehr Informationen finden Sie im Internet auf der Verlag-Seite: www.hirzel.de





