Die stringtheorie ist exotisch, enorm anspruchsvoll und für Laien kaum nachvollziehbar – aber der beste Ansatz für eine „ Weltformel” zur vereinheitlichten Beschreibung aller Grundkräfte in der Natur. Die im Standardmodell der Elementarteilchen angenommenen Bausteine der Materie sind gemäß der Stringtheorie nicht punktförmig, sondern 10-35 Meter winzige schwingende Saiten: Strings. Edward Witten vom Institute of Advanced Studies, Princeton, gelang es 1995, die verschiedenen Versionen der Stringtheorie mathematisch zu vereinigen, das heißt als weitgehend äquivalent nachzuweisen. Die dabei entstandene M-Theorie – „M” steht wahlweise für „mysteriös”, „magisch”, „ Membran” oder „Mutter aller Theorien” – hat der Theoretischen Physik einen ungeheueren Auftrieb beschert. In der M-Theorie gibt es nicht nur eindimensionale Strings, sondern auch mehrdimensionale Membranen, kurz Branen genannt. Sie können sich verbinden, wieder trennen und konstituieren den ganzen Reigen unserer Welt. Mathematisch widerspruchsfrei lässt sich die M-Theorie nur in elf Dimensionen formulieren, um die bekannten Elementarteilchen zu beschreiben. Neben Länge, Breite, Tiefe und Zeit muss es noch sieben weitere Raumdimensionen geben, die aber nicht wahrnehmbar sind, sondern winzig klein – aufgerollt oder „ kompaktifiziert”. Kosmologisch lassen sich sechs davon vernachlässigen. Die letzte ist ebenfalls begrenzt, wird von einem Feld namens Modulus bestimmt und kann sich verändern. Kosmologen wurden hellhörig, als Witten und Petr Horava (Rutgers University) erkannten, dass diese Extradimension zwischen zwei unendlichen Branen stecken muss – unserem sichtbaren und einem verborgenen Universum.
Rüdiger Vaas




