Was ist das Bewusstsein? Douglas Hofstadter gibt eine originelle Antwort: „Ich bin eine seltsame Schleife.” Für den amerikanischen Physiker beruht das Ich auf Rückkopplungen. Jedes Mal, wenn wir mit unserer Umwelt kommunizieren, entwickelt es sich weiter. Und da wir auf unsere Umgebung einwirken, beeinflussen wir somit wiederum unser Ich. Mit jeder Rückkopplung wird die Seele komplexer. Diesen Prozess nennt Hofstadter eine „ seltsame Schleife”.
Seine These diskutiert der Autor, der vor knapp 30 Jahren über Nacht mit dem Buch „Gödel, Escher, Bach” weltbekannt wurde, an zahlreichen Beispielen. Kurt Gödel, der mathematische Systeme mit Bezug auf sich selbst untersuchte, spielt dabei wieder eine Rolle. Doch das neue Buch von Hofstadter ist viel persönlicher als sein prominenter Vorgänger. Hofstadter erklärt darin etwa, warum er Vegetarier ist. Und er erzählt vom unerwarteten Tod seiner Frau. Da er sich mit ihr jahrelang intensiv ausgetauscht hat, ist er überzeugt, dass ein Abbild ihrer Seele in seinem Gehirn weiterlebt. Ebenso sei sein Bewusstsein in den Köpfen seiner Verwandten und Freunde verankert. Eine schöne, tröstliche Vorstellung.
Das Buch steckt voller Querverbindungen und Analogien. Die Lektüre regt daher zum Weiterdenken an. Allerdings braucht man manchmal etwas Geduld, da angedeutete Zusammenhänge zuweilen erst viele Seiten später klar werden.
Douglas R. Hofstadter ICH BIN EINE SELTSAME SCHLEIFE Klett-Cotta Stuttgart 2008 540 S., € 29,50 ISBN 978–3–608–94444–0
Wolfgang Blum





