Irgendwann steht es jeder Frau bevor: Sie kommt in die Menopause. Damit endet zwar ihre Fortpflanzungsfähigkeit – ihr Leben aber noch lange nicht. Was uns völlig normal erscheint, stellt im Tierreich eine echte Seltenheit dar. Eine ähnlich lange postreproduktive Lebensphase wie beim Menschen ist unter Säugetieren sonst nur noch von Schwert- und Grindelwalen bekannt. Tatsächlich scheint dieses Phänomen aus evolutionärer Sicht nicht besonders sinnvoll zu sein. Schließlich strebt jedes Individuum danach, die eigenen Gene möglichst effizient weiterzugeben – eigene Kinder zu bekommen, ist dafür bekanntlich der beste Weg. Und ist diese Aufgabe erledigt, “lohnt” sich – aus biologischer Sicht – das Weiterleben nur noch bedingt. Warum also leben Menschenfrauen nach ihren Wechseljahren trotzdem noch so lange weiter?
Omas im Blick
Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses Rätsel haben Evolutionsbiologen die sogenannte Großmutter-Hypothese entwickelt. Sie besagt: Ältere Frauen können mehr für die Weitergabe ihrer eigenen Gene tun, wenn sie ihre Töchter beim Großziehen der Enkel unterstützen. Die Anwesenheit einer Großmutter kann die Überlebenschancen von Kindern demnach signifikant steigern. “Diese Hypothese wurde bereits vielerorts getestet. Teils stellte sich die Annahme als plausibel heraus, teils aber auch nicht”, sagt Fanie Pelletier von der Universität Sherbrooke in Kanada.
Um die Gründe für diese widersprüchlichen Ergebnisse aufzudecken, haben sich nun gleich zwei Forscherteams erneut mit der Großmutter-Hypothese befasst – und dabei die Rolle bisher kaum beachteter Faktoren untersucht. Simon Chapman von der Universität Turku in Finnland und seine Kollegen widmeten sich der Frage, welchen Einfluss das Alter der Großmutter auf den Nutzen ihrer Anwesenheit hat. Für ihre Studie analysierten sie Daten aus finnischen Kirchenregistern aus der vorindustriellen Zeit. Wie die Wissenschaftler berichten, war die Kindersterblichkeit damals extrem hoch. Inwiefern konnte sich eine Großmutter positiv auf die Überlebenschancen zwischen den Jahren 1731 und 1890 geborener Kinder auswirken?
Auf das Alter kommt es an
Die Auswertung ergab: War eine Großmutter mütterlicherseits anwesend, wirkte sich das tatsächlich positiv auf das Überleben von Kleinkindern im Alter zwischen zwei und fünf Jahren aus. Ihre Überlebensrate stieg dadurch um rund 30 Prozent. Dies galt allerdings nur, wenn die Großmutter noch relativ jung war. Lebten Kleinkinder mit einer 75 Jahre oder älteren Oma gemeinsam unter einem Dach, verschwand dieser Effekt nicht nur. Er schlug sogar ins Gegenteil um: Insbesondere die Kleinsten hatten durch eine alte Großmutter einen erheblichen Nachteil. Die Chance, bis zum zweiten Geburtstag zu überleben, sank dadurch um 37 Prozent, wie Chapman und sein Team berichten.





