Es war einmal eine Zeit, da gab es noch keine Sat-Schüsseln. Alle Häuser waren noch eckig und nicht von diesen runden Dingern ausgebeult.
Das ist noch gar nicht so lange her. Die Nutzung von Satellitenfernsehen durch private Programmanbieter wurde erst 1987 durch den Medienstaatsvertrag zugelassen. Ende 1988 ging der erste Astra-Satellit auf Sendung. Die Satelliten-Antennen waren nach der deutschen Vereinigung 1989 einer der ersten großen Verkaufsschlager in den neuen Bundesländern.
Zu Beginn waren die Sat-Schüsseln (Satelliten-Empfangsspiegel) umstritten. Es gab Proteste von Denkmalschützern und Bedenken von Menschen, die ein Auge für Schönheit und Ausgewogenheit von Gebäuden haben. Diese Widersprüche waren ebenso berechtigt wie wirkungslos. Die Technik der Sat-Schalen hat sich rasant und kompromisslos durchgesetzt. Der Grund ist klar: Man kann mit einfachster Technik (schauen Sie sich einmal an, wie wenig an so einer Sat-Schüssel dran ist) an jedem Ort alle über Satellit ausgestrahlten Fernsehprogramme empfangen.
Wie funktionieren die Schüsseln? Klar: Die Strahlen, die vom Satelliten ausgehen, werden in der TV-Pfanne aufgefangen und so gebündelt, dass der kleine Empfänger, der vor der Sat-Schüssel sitzt, die Signale aufnehmen und weiterleiten kann. Der eigentliche Empfänger sitzt im Brennpunkt wie die Spinne im Netz.
Damit sich die Strahlen im Fokus bündeln, muss das Gerät genau installiert werden. Das ist gar nicht so einfach: Die Sat-Antenne ist ein drehsymmetrisches Gebilde – sie muss so ausgerichtet werden, dass ihre Drehachse genau auf den Satelliten zeigt.
Kann ich für die Schüssel ein Blech irgendwie biegen? Könnte ich zur Not auch eine Salatschale verwenden? Nein! Die Form der Sat-Schüssel ist der Clou. Sie funktioniert nur, weil sie eine ganz bestimmte Form hat: Sie muss einen Brennpunkt haben.
Betrachten wir das runde Ding zunächst einmal nicht als Ganzes, sondern schneiden es in der Mitte durch. Unser Schnitt geht durch den Mittelpunkt und verläuft in einer Ebene mit der Drehachse. Die Schüssel zerfällt dann in zwei Hälften, und entlang des Schnittes entsteht eine Kurve. Und auf die kommt es an.
Diese Kurve ist eine Parabel. Vielleicht erinnern Sie sich aus der Schule an die Parabel, wahrscheinlich an die Normalparabel. Die sah irgendwie anders aus. Viel enger. Trotzdem ist die Schnittkurve einer Sat-Schale auch eine Parabel. Und man kann sich – mathematisch – die Schüssel so vorstellen, dass sie durch Drehen einer Parabel um die Symmetrieachse entsteht.
Alle Mathematiker und fast alle Schüler wissen: Jede Parabel hat einen Brennpunkt. Die Strahlen werden so reflektiert, dass sie durch diesen Brennpunkt gehen. Allerdings nur diejenigen, die parallel zur Symmetrieachse der Parabel verlaufen. Deshalb muss die Schüssel für einen guten Empfang genau ausgerichtet werden.
Warum verwendet man für die Ausgangskurve von Sat-Schüsseln keine Normalparabel? Ganz einfach: Der Brennpunkt der Normalparabel liegt ganz nahe bei ihrem Scheitel. So nahe, dass man dort technisch den Empfänger nicht unterbringen kann. Aber: Je flacher die Parabel, desto weiter außen liegt der Brennpunkt.
Kurz gesagt beruht der Erfolg der Satelliten-Empfangsspiegel letztlich auf der Mathematik der Parabeln.
Albrecht Beutelspacher




