EINE MEGACITY – WAS IST DAS? Ein Moloch, angesiedelt zwischen Morden und Moneten. So heißt es oft. Gewiss: Alle Superstädte haben große Probleme. Doch auch das Wohnen auf dem Lande hat Tücken: Ein unzureichendes Angebot an Bildung, ein vernachlässigter öffentlicher Personenverkehr, schlechte Einkaufsmöglichkeiten, kaum Auswahl an gut bezahlten Arbeitsplätzen, öde Verhältnisse für Jugendliche. Immer mehr Menschen in Mitteleuropa verlassen die ländlichen Räume und ziehen in Ballungsgebiete – in der Hoffnung, dass vieles besser wird. In den armen Ländern der Welt ist die Perspektive partiell anders, prinzipiell aber gleich: Auch dort erhoffen sich die ländlichen Zuwanderer in der Metropole eine lukrativere Arbeit und eine bessere Infrastruktur. Das bedeutet für sie oft, endlich einen Stromanschluss zu haben – und vielleicht auch einen Fernsehapparat.
Um die Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung zu gewährleisten, ist die Verstädterung der Welt unbedingt nötig, urteilt die internationale Kommission Urban 21. Die Lebensumstände in den Slums der Metropolen dürfen wir dabei nicht durch unsere mitteleuropäische Brille anschauen. Manches von dem, was wir entwürdigend finden, entwickelt bei näherer Betrachtung eine uns fremde Dynamik. Müllsammler in Kairo oder Mumbai gehören nicht zu den Ärmsten der Armen. Und wer in Wellblechhütten wohnt, empfindet das selten als empörend. Die Nachbarn beispielsweise sind dort im Allgemeinen hilfsbereiter als in Hochhausburgen. Damit ich keinen falschen Eindruck erwecke: Ich rede hier nicht jenen das Wort, die meinen, man könne ja ohnehin nichts verändern und solle daher am besten dem freien Spiel der Kräfte seinen Lauf lassen.
Mit unserem Schwerpunkt Megacitys (Seite 56 bis 73) wollen wir Ihnen anhand von Mumbai, Tokio, São Paulo, Shanghai sowie der Ruhrmetropole zeigen, wie unterschiedlich die Herausforderungen von Super-Agglomerationen sind – und wie man sie erfolgreich anpacken kann. Wenn Sie nach Lektüre dieser Beiträge der Meinung sind, bild der wissenschaft sollte künftig mehr geographische Themen haben, sind Sie gerne eingeladen, mir Ihre Wünsche mitzuteilen.





