Die Ausbeutung der Ozeane ist in bild der wissenschaft seit Jahrzehnten ein Thema. Im Juli 1982 titelte unser Magazin „ NORDSEE: Vom Ferienparadies zur Müllkippe?” Wir berichteten über den Rückgang des Nordsee-Fischfangs, über die Schwermetallbelastung in den Nordsee-Sedimenten, über mehr kranke Fische und auch Seehunde, von denen es nach Aussage der damaligen bdw-Ausgabe an der Deutschen Bucht nur noch 3000 gab. Zumindest die Seehunde haben die Trendwende geschafft – trotz wiederkehrender Seuchen. 2008 wurden im Wattenmeer 20 254 Seehunde gezählt, verkündet der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer auf seiner Homepage.
Da die Erdoberfläche zu 71 Prozent aus Wasser besteht, verwundert es nicht, dass Menschen die Ozeane schon früh bewirtschaftet haben – durch Fischfang, Schifffahrt, Öl- und Gasförderung sowie in jüngerer Zeit durch Tourismus. Sie lieferten freilich auch allzu oft erschreckende Belege für menschliche Unvernunft. Wie Sie der Titelgeschichte dieser Ausgabe entnehmen können, werden aus den Ozeanen künftig noch mehr Schätze gehoben. Denn der Meeresboden liefert nicht nur Öl, sondern auch Erz. Die Meere versorgen uns nicht nur mit Fisch, sondern auch mit Pharmawirkstoffen. Und die Ozeane tragen nicht nur Schiffe, sondern können auch Strom produzieren. Dass diese neuen Nutzungen umweltgerecht geschehen müssen, steht außer Frage. Keine Frage ist es für mich aber auch, dass wir das Wissen haben oder erwerben können, um eine nachhaltige Nutzung in den Weg zu leiten. Bestes Beispiel dafür ist das saubere Meerwasser unter und um Ölplattformen.
Das Eisendüngungs-Experiment Lohafex zeigt, wie innovativ sich das Meer nutzen lässt – aber auch, dass es immer schwieriger wird, solche Vorhaben selbst nur testweise genehmigt zu bekommen. Der Versuch, 300 Quadratkilometer im Südatlantik mit 20 Tonnen Eisensulfat zu versetzen, um einen Prozess in Gang zu bringen, der atmosphärisches Kohlendioxid in die Tiefe der Ozeane verschwinden lassen könnte, wurde sofort heftig attackiert. Im bdw-Interview schildert Victor Smetacek, einer der beiden Lohafex-Fahrtleiter auf dem deutschen Forschungsschiff „ Polarstern”, seine Sicht der Dinge. Natürlich: Er ist parteiisch. Doch gerade deshalb empfehle ich Ihnen die Lektüre dieses Interviews. Es beginnt auf Seite 60.




