Grafik des Monats
Die Deutschen gelten als spröde und kopflastig – doch den Drogen sind sie nicht abgeneigt. Beim Alkoholkonsum gehören sie sogar zur Weltspitze, nur die Luxemburger, Portugiesen, Franzosen und Irländer trinken noch mehr. Der Umgang mit Zigaretten, Bier und Schnaps wird in früher Jugend erlernt, abgeschaut von den Eltern oder der „coolen” Clique. Je früher ein Jungendlicher mit dem Rauchen oder Trinken beginnt, desto gefährdeter ist er, abhängig zu werden – mit all den bekannten Auswirkungen.
Jedes Jahr sterben Tausende Menschen in Deutschland an den Folgen ihrer Sucht oder erkranken schwer. Doch Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter 12- bis 25-Jährigen stimmten bis vor kurzem optimistisch: Immer mehr Jugendliche wollen offenbar mit klarem Kopf durchs Leben gehen. Während zum Beispiel in den siebziger Jahren noch fast die Hälfte der 12- bis 25-Jährigen regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) zum Bierglas griff, waren es 2001 nur noch 22 Prozent. Beim Weinkonsum ging die Quote auf ein Drittel zurück, beim Schnaps sogar auf weniger als ein Viertel.
Doch jetzt könnte der Trend kippen. Der Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld hat sich für eine Studie der Weltgesundheitsorganisation die jüngste Gruppe der Jugendlichen herausgegriffen, die 11- bis 15-Jährigen. Dabei zeigte sich, dass der Anteil der 15-Jährigen, die regelmäßig trinken, innerhalb von nur acht Jahren von 25 auf 37 Prozent (Jungen) beziehungsweise von 18 auf 25 Prozent (Mädchen) hochgeschnellt ist. Auch unter den 13-Jährigen griffen 2001/02 doppelt so viele zum Glas wie noch 1993/94. Lediglich die 11-Jährigen lassen ihre Finger weiterhin meistens vom Alkohol. Vor allem die süßen „Alcopops” – mit Schnaps versetzte Limonade – ließen die Berührungsängste der Jugendlichen vor der Droge schwinden.
Beim Griff zur Zigarette zeigt sich dasselbe Bild. Vor allem die 15-jährigen Jungen entdecken den blauen Dunst mehr und mehr für sich: Jeder Dritte von ihnen raucht inzwischen regelmäßig, acht Jahre zuvor waren es nur 21 Prozent. Bei den 15-jährigen Mädchen verlief der Anstieg zwar weniger rasant, von 29 auf 34 Prozent, allerdings starteten sie bereits auf hohem Niveau. Mädchen halten sich seit Jahrzehnten gerne an der Zigarette fest, während Jungen eher zur Flasche greifen. Eine Erklärung für den neuen Trend hat Richter nicht. Doch er glaubt zu wissen, wie er zu stoppen ist: durch höhere Preise.
Klaus Jacob





