Mit einem „Lebenstagebuch” haben der Greifswalder Trauma- forscher Philipp Kuwert und seine Kollegin Christine Knaevelsrud von der Freien Universität Berlin Menschen geholfen, die als Kinder im Zweiten Weltkrieg traumatisiert wurden. Die Betroffenen schrieben ihre teils verschütteten Erlebnisse und Gefühle auf: Wie sie Nächte voller Angst in Bunkern verbrachten, wie über ihnen Bomben einschlugen, wie sie fliehen mussten, wie sie zu verhungern drohten. Sechs Wochen dauerte die Schreibtherapie. Das Besondere: Teilnehmer und Therapeuten sahen sich kein einziges Mal. Sie kommunizierten ausschließlich über das Internet. Es gab weder persönlichen Kontakt noch Medikamente – dafür Aufmerksamkeit und Beachtung.
Die Auswertung der Studie, die derzeit noch läuft, zeigt „ einen signifikanten Nutzen für die Betroffenen”, sagt Studienleiter Kuwert. Der erste Schritt zur Heilung besteht oft darin, dass das erlebte Leid ernst genommen wird – auch wenn es schon viele Jahrzehnte zurückliegt.





