Ausgezeichnet als Wissenschaftsbuch des Jahres 2009 in der Kategorie ÜBERRASCHUNG das Buch, das ein Thema am originellsten anpackt
Die Kuh war schon da, als Gott Adam und Eva auf die Erde brachte. Der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets ist der stilisierte Kopf eines gehörnten Rindes. Und auch die Ägypter maßen in ihrer Schöpfungsgeschichte der Kuh enorme Bedeutung bei: Das Firmament über ihren Köpfen hielten sie für den Unterleib einer Himmelskuh, die auf dem Rücken den Sonnengott Re trug und die fruchtbaren Wasser des Nils hervorbrachte.
Und welchen Stellenwert hat das Tier heute? Da kommen auf ein Kilogramm Mensch zwei Kilogramm Kuh. 1,3 Milliarden Rindviecher fressen sich durch das Grünzeug und die Sojavorräte der Erde mit der Folge, dass die Klimaforscher Alarm schlagen. Denn Kühe rülpsen und furzen viel und tragen durch diesen Methan- und CO2-Ausstoß fleißig zum Klimawandel bei.
Ob sie nun je nach Zeitgeist von den Agronomen vergöttert oder von den Atmosphärenphysikern zum Sündenbock gestempelt wird: Die Kuh kann nichts dafür. Es ist der Mensch, der sie mithilfe der Wissenschaft zu einer Fressmaschine gemacht hat, zwecks Intensivierung der Steak- und Milchproduktion. Da ist es höchste Zeit für eine vorurteilslose Würdigung ihrer Verdienste. Denn womöglich befähigte nicht so sehr die Erfindung des Rads den Homo sapiens zu Hochkulturen, sondern vielmehr die Domestikation des Rinds.
Jury-Mitglied Urs Willmann