
Wer weiß in 1000 Jahren noch, was eine kalte Schulter ist? Oder was es bedeutet, wenn man sagt, man habe Schmetterlinge im Bauch? Vor solchen Schwierigkeiten standen im 19. Jahrhundert der Franzose Jean-François Champollion und der Engländer Thomas Young. Beide Forscher hatten es sich zum Ziel gesetzt, die altägyptischen Schriftzeichen zu entziffern. Nur einer von beiden gewann den Forscherstreit, den der US-Journalist Dolnick in seinem Buch als Wettrennen der Männer aus verfeindeten Nationen inszeniert. Er beschreibt die großen Augenblicke der Ägyptologie wie in einer Reportage und lässt den Leser manchen Heureka-Moment Champollions und Youngs hautnah miterleben. Dabei navigiert er nicht nur auf dem Hauptstrom des Buches sicher wie ein Ägypter auf dem Nil, sondern befährt auch viele Nebenarme, darunter die Entwicklung der Dechiffrierkunst, die Fortschritte der Ägyptologie und natürlich die ägyptische Geschichte und Kultur selbst.
Der Leser stellt nach dem Zuklappen des Buches fest, dass er nicht nur glänzend unterhalten wurde, sondern nebenbei gelernt hat, die eine oder andere Hieroglyphe zu lesen. Dirk Husemann
Edward Dolnick
DIE ENTSCHLÜSSELUNG DER HIEROGLYPHEN
Nagel & Kimche, 400 S. € 25,–
ISBN 978–3–7556–0014–5




