KEIN ZWEIFEL: Macht und Einfluss erfordern kriegerisches Geschick. Davon hatten die Hethiter jede Menge. Der Großkönig Muwattalli II. brachte die ägyptischen Truppen unter Ramses II. 1275 v. Chr. bei Kadesch im heutigen Syrien in arge Bedrängnis. So peinlich war die Schlappe für den Pharao, dass er sich vorsichtshalber in den eigenen Annalen den Sieg andichten ließ. Dennoch und das macht die Hethiter so sympathisch schätzten sie Frieden und Sicherheit höher und vertrugen sich mit ihren Feinden lieber durch Verträge. Mitreißend und detailgenau zeichnet Waltraud Sperlich, die stets vor Ort auf Spurensuche war, in 20 Kapiteln ein klares Bild der anatolischen Hochkultur: von den Menschen und ihrer Sprache, ihren Intrigen, ihrer ausufernden Götterwelt und von ihrem Sinn für Gerechtigkeit, der selbst dem König in der Hauptstadt Hattusa jede Willkür untersagte. Bei den Geschichten über die Hethiter stehen Geschichten über die Entdecker und Erforscher sie erzählen von gelebtem Abenteuer. Kaum waren die Hethiter von der weltpolitischen Bühne abgetreten, auf der sie zwischen 1600 und 1200 v. Chr. eine Hauptrolle spielten, waren sie auch schon für lange Zeit aus dem Menschheitsgedächtnis verschwunden. Vielleicht weil sie weniger mit Theaterdonner als mit raffinierten Taten und Worten geglänzt hatten? Dieses Buch ist erstklassig: gründlich recherchiert, kenntnisreich und spannend geschrieben, mit Karte und Zeittafel ausgestattet, eindrucksvoll bebildert, schön gestaltet und auf feinem Papier gedruckt. Mehr davon!
Ulrich Schendzielorz




