Die Verschwundene, Nelly, ist eine Art Universalgenie: Sie erforscht die Zusammensetzung der Erdkruste, Fluide in einer Subduktionszone und magnetische Anomalien in Südamerika. Sie hat für Firmen gearbeitet, die Erdöl in Norwegen oder Mineralien im Kongo suchen. Die Seismologin und Assistenzprofessorin ist immer wieder auf Expeditionen zu Vulkankratern oder Plattengrenzen unterwegs – meist ganz allein.
Nelly hat mit einer echten Wissenschaftlerin wenig gemein. Aber darum geht es Nina Bußmann auch nicht: Die Exaktheit der Wissenschaft der verschwundenen Heldin dient ihr als Kontrast zu den Unschärfen der Wirklichkeit und zum planlosen Vorgehen der Erzählerin. Ihr Roman beschreibt, wie leicht man im Leben auf unsicheres Terrain gerät – und wie man sich dabei selbst verlieren kann. Keine leichte Kost, aber virtuos erzählt.




