Hundebesitzer wissen aus Erfahrung, wie individuell ihre vierbeinigen Gefährten sind – selbst innerhalb der gleichen Rasse. So gelten beispielsweise Golden Retriever zwar generell als gutmütig und gut trainierbar, doch wie lernfähig der einzelne Hund ist, wie gut er sich mit anderen Hunden verträgt, wie energiegeladen und wie schreckhaft er ist, ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Durch Erziehung lassen sich zwar bestimmte Verhaltensweisen fördern oder reduzieren, doch grundlegende Charakterzüge bleiben unveränderlich.

Wie der Mensch, so der Hund
„Unterschiede in der emotionalen Reaktivität, Geselligkeit und anderen Verhaltensmerkmalen entstehen durch komplexe Wechselwirkungen zwischen genetischen und umweltbedingten Faktoren“, erklärt ein Team um Enoch Alex von der University of Cambridge in Großbritannien. Um den genetischen Faktoren auf die Spur zu kommen, analysierten die Forschenden das Genom von 1343 Golden Retrievern im Alter zwischen drei und sieben Jahren. Zusätzlich baten sie die Besitzer, einen umfassenden Fragebogen zu den Eigenheiten und Verhaltensweisen des tierischen Versuchsteilnehmers auszufüllen.
Auf diese Weise stieß das Forschungsteam auf zahlreiche Genvariationen, die jeweils mit bestimmten Verhaltensweisen assoziiert waren. Diese Ergebnisse wiederum glichen Alex und seine Kollegen mit ähnlichen Analysen bei Menschen ab. Dabei stellten sie eine weitreichende Übereinstimmung fest: „Bei zwölf der 18 identifizierten Gene aus der genomweiten Assoziationsstudie bei Hunden fanden wir signifikante Assoziationen beim Menschen für psychiatrische, temperamentbezogene und kognitive Merkmale“, berichten die Forschenden. „Dabei zeigte sich eine bemerkenswerte biologische Konvergenz.“
Beispielsweise beeinflusste eine Variation im Gen ASCC3 bei Hunden, wie souverän sie sich gegenüber Artgenossen verhielten. Bei Menschen wurde dieses Gen mit Charakterzügen wie Neurotizismus, Ängstlichkeit und Sensibilität in Verbindung gebracht. Eine Variation in einem Gen namens ROMO1 förderte bei Hunden die Trainierbarkeit. Bei Menschen ist diese Variation mit Intelligenz und emotionaler Sensibilität assoziiert – ein Hinweis darauf, dass auch bei Hunden das Training nicht nur ihre kognitive Leistungsfähigkeit anspricht, sondern auch eine emotionale Komponente hat.





