Ende Juni, als die bdw-Redaktionsassistentin Ulrike Matzke eine erste Bestandsaufnahme der Bewerbungen um den deutschen preis für wissenschaftsfotografie machte, war die Zahl der Einsendungen noch überschaubar. Ganze neun Fotografen hatten sich bis dahin an uns gewandt. Am 7. Juli sah es nicht viel besser aus: Gerade einmal vier Arbeiten waren dazugekommen. Und Mitte Juli verzeichneten wir insgesamt 20 Einsendungen. Doch als Chefredakteur Wolfgang Hess Bedenken äußerte, meinte Ulrike Matzke: „Machen Sie sich da mal keine Sorgen: Die Fotografen schicken meist erst zum Einsendeschluss.” Und so kam es auch: In der Woche vor dem Bewerbungsultimo am 31. Juli erreichten die Redaktion 82 Einsendungen. Mit dem schönen Ergebnis: Im sechsten Jahr seines Bestehens können wir beim Fotopreis mit 127 Bewerbungen einen neuen Einsenderekord melden.
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Auf die Auswahlsitzung in den Räumen des Düsseldorfer Pressebüros Brendel hatten sich die Juroren gefreut, denn die Bilder überraschen jedes Jahr aufs Neue mit außergewöhnlichen Motiven und originellen fotografischen Techniken. Nach fast fünf Stunden kritischer Begutachtung und Diskussion standen die Sieger fest: eine Fotografin und drei Fotografen hatten das Rennen um das Preisgeld von insgesamt 20 000 Euro gemacht. Wir danken allen Einsendern!
Die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten brachte die bdw-Bildredakteurin Ruth Rehbock auf die Idee, einige der Fotos in den kommenden bild der wissenschaft- Ausgaben zu zeigen. Und so werden wir – beginnend mit der Januarausgabe 2012 – in jedem Monat ein Bild großformatig veröffentlichen, das es beim Wettbewerb 2011 nicht ganz nach oben geschafft hat. Natürlich erhält der Fotograf ein Abdruckhonorar.
Der Wettbewerb deutscher preis für wissenschaftsfotografie richtet sich seit 6 Jahren an Fotografen, die aktuelle Forschung und Technologie ansprechend und ungewöhnlich ins Bild setzen. Die Preisverleihung findet – wie in den Vorjahren – im Bremer Haus der Wissenschaft statt (Sandstr. 4/5), Termin ist Samstag, 3. Dezember, 11 Uhr. bild der wissenschaft-Leserinnen und -Leser sind dazu herzlich eingeladen! Nach der Preisverleihung haben die Besucher bei einem Imbiss die Möglichkeit, mit den Preisträgern und Juroren zu sprechen. Anmeldungen bitte bis zum 18.11.2011 an: Ulrike Matzke, Redaktionsassistenz
e-mail: ulrike.matzke@konradin.de
DIE JURY 2011
(vordere Reihe – von links:)
Detlef Brendel, Düsseldorf Geschäftsführer Pressebüro Brendel Wolfgang Hess, Leinfelden-Echterdingen Chefredakteur bild der wissenschaft Jens Rubbert, Düsseldorf Chief Product Specialist, Fujifilm Peter Hense, Ratingen freier Fotograf
(hintere Reihe – von links:)
Franz Miller, München Presse-Chef der Fraunhofer-Gesellschaft Prof. Gerold Wefer, Bremen Direktor des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften in Bremen
Wolfgang Volz, Stockholm freier Fotograf, Juryvorsitz
LEBENSHILFE FÜR DIE KLEINSTEN
Auf das Thema „Wärme” kam Zorana Mušiki´c während ihres Studiums. Sie fragte sich, was Wärme für Menschen bedeutet. Eine ganz besondere Rolle spielt sie für frühgeborene Babys. Die Welt von Kindern, die zwischen der 22. und 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, ist zunächst ein Inkubator – ein Plexiglaskasten, in dem die Winzlinge bestrahlt, befeuchtet und gewärmt werden. Der kleine Mensch auf dem Foto hat in der 27. Woche das Licht der Welt erblickt. Da Zorana Mušiki´c innigen Kontakt zu der Familie pflegte, entwickelte sich genug Vertrauen, um diese Fotoreportage zu ermöglichen.
ZORANA MUšIKIC
fotografierte zunächst vor allem, um Vorlagen und Inspirationsquellen für ihre Leidenschaft, die Malerei, zu bekommen. Dabei stellte Mušiki´c (Jahrgang 1976) fest, dass für sie die Fotografie die angemessenere Kunstform war, um Geschichten zu erzählen. Zunächst machte sie ihren Magister in Literatur, Philosophie und Kunst und begann dann 2009, Fotografie in Berlin zu studieren. Die Filmemacherin mit eigener kleiner Produktionsfirma freut sich darüber, dass sie den renommierten deutschen preis für wissenschaftsfotografie schon während ihrer Ausbildung erhält. Am liebsten lichtet sie Menschen in besonderen persönlichen Situationen ab. Nähe ist dabei sehr wichtig, wie die ausgezeichnete Fotoreportage belegt: „Durch die menschliche Nähe zu der Familie hatte ich das Glück, Bilder des Sohnes im Inkubator machen zu dürfen.” In ihrer Abschlussarbeit, die Mušiki´c zurzeit erstellt, beschäftigt sie sich mit den persönlichen Beziehungen von obdachlosen Menschen.
MARTIN OEGGERLI
arbeitete während seines Biologiestudiums mit dem Raster-Elektronen-Mikroskop (REM) und entdeckte dabei seine Begeisterung fürs Fotografieren. Der promovierte Molekularbiologe gründete 2008 die Firma Micronaut, die darauf spezialisiert ist, mikroskopisch kleine wissenschaftliche Sachverhalte fotorealistisch darzustellen. Auftraggeber sind unter anderem Pharmakonzerne. Die Werke des 37-jährigen Schweizers aus Allschwil bei Basel werden auf internationalen Wissenschaftsausstellungen und Kunstmessen gezeigt – etwa auf der Biennale 2011 in Gwangju, Südkorea.
PRACHTVOLLES GELEGE
Schmetterlinge brillieren nicht nur durch ihre bezaubernden Flügel – auch ihre Eier können sich sehen lassen. Nach Bearbeitung der mit dem Mikroskop erstellten Schwarz-Weiß-Bilder zeigen sich die Insekteneier in unerwarteter Schönheit. Um kontrastreiche REM-Aufnahmen zu bekommen, bedampfte Oeggerli die Eier mit einer hauchdünnen Goldschicht. Die weißen Strukturen zeigen das Belüftungssystem. Die Aufnahmen waren aufwendig: Für ein Foto benötigte Oeggerli jeweils eine Woche.
FLORIAN GLOZA-RAUSCH
ist seit seinem 16. Lebensjahr mit der Spiegelreflexkamera unterwegs. Der Biologe (Jahrgang 1972) lernte das Fotografieren autodidaktisch. Gloza-Rausch ist Mitbegründer und wissenschaftlicher Leiter des Fledermauszentrums in Bad Segeberg, dessen Forschungsabteilung er betreut. Derzeit ist der Fledermausökologe als externer Wissenschaftler am Institut für Virologie der Universitätsklinik Bonn tätig. Bereits während des Abiturs hatte er mit Fledermäusen zu tun: Für seine Biologiefacharbeit untersuchte er – ausgestattet mit einem Fledermausdetektor – ihr Vorkommen in seinem Heimatort Neumünster-Einfeld. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich dann mit populationsgenetischen Untersuchen am Großen Abendsegler (Nyctalus noctula). „Mit meinen Aufnahmen betreibe ich Öffentlichkeitsarbeit für Fledermäuse”, sagt Florian Gloza-Rausch. Seine Fledermaus- Studien haben ihn bereits nach Bulgarien und Ghana geführt.
KURT FUCHS
arbeitet seit seinem Abitur als freiberuflicher Bildjournalist und Fotodesigner. Parallel dazu absolvierte der Franke (Jahrgang 1960) ein Ingenieurstudium (Schwerpunkt: Feinwerktechnik) und ein Abendstudium zum Kommunikationswirt, qualifizierte sich zum Fotografenmeister und erwarb das Diplom als Informationswirt im Bereich Fachkommunikation Technik. Die Schwerpunkte seiner fotografischen Arbeiten sind Technologie, Wirtschaft und Wissenschaft. Die Foto- und Videoaufträge setzt er im In- und Ausland oder in seinem Studio in Erlangen um. Der leidenschaftliche Bergsteiger und Taucher porträtiert in den extremsten und abgelegensten Teilen der Erde Landschaften und Menschen genauso wie in unseren Breitengraden Politiker und Manager.
FRESSGIER SORGT FÜR DAS MOTIV
Die fruchtfressende Brillenblattnase (Carollia perspicillata) wurde von Florian Gloza-Rausch mit einer Banane angelockt. Dennoch musste der Fotograf (im Foto mit Atemschutzmaske) über 100 Mal auf den Kabelauslöser drücken, ehe dieses perfekt inszenierte Bild gelang. Das Fledermauszentrum Bad Segeberg, in dem dieses Foto entstand, ist an Forschungsprojekten zur Ökologie von Viren beteiligt, die durch Fledermäuse verbreitet werden. Immerhin können die Tiere Menschen mit Marburg-Fieber, Tollwut, SARS und Ebola infizieren. Sie selbst erkranken nicht daran. Woran das liegt, prüfen die Wissenschaftler zurzeit.
ALLES MEINS!
„So schöne Legosteine! Die will ich haben!”, scheint dieser icub-Roboter zu denken. Väterlich zeigt Doktorand Frederico Ruiz dem kindlich anmutenden Robby, wie der die Legosteine greifen kann. In den Labors und Fabrikhallen des Exzellenzclusters Cognition for Technical Systems (CoTeSys), das von der TU München koordiniert wird, untersuchen Wissenschaftler Roboter in einer bestimmten Umgebung. Kognitive Fähigkeiten autonomer Systeme sollen dabei das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine unkompliziert und natürlich gestalten. Die Roboter sollen lernen, lebensnahe Situationen zu beherrschen, etwa das Einräumen einer Geschirrspülmaschine. Dazu wurde extra eine Musterwohnung eingerichtet, in denen die Roboter verschiedene Alltagssituationen einüben können.





