Vor eineinhalb Jahren haben wir schon einmal eine Digitalkamera von Kodak getestet. Damals gab es Schwierigkeiten bei der Installation der Software auf dem PC. Bei der neuen DC-200 (circa 1000Mark) ist das anders: Die Inbetriebnahme der Kamera, die Installation der MacIntosh- und Windows95-Software, das Überspielen der Bilder – alles klappte reibungslos. Die Bedienung des handlichen Silberlings ist so narrensicher, daß die Bedienungsanleitung getrost in der Kiste bleiben kann.
Über ein Drehrad wählt man, ob man ein Foto schießen, betrachten oder auf den PC übertragen will. Das Bild wird auf einem 45 Millimeter großen, brillanten Farbdisplay auf der Rückseite angezeigt, das auch als Sucher benutzt werden kann. Es enthält ein einfaches Menü zum Betrachten, Zoomen oder Löschen der Bilder; gesteuert wird mit vier Pfeiltasten für rauf/runter und links/rechts. Allzuoft sollte man den Minibildschirm allerdings nicht benutzen, denn sein Stromhunger ist enorm.
Die Bildqualität der DC-200 konnte sogar vor dem strengen Blick unserer Bildredakteurin bestehen. Auch wenn es noch nicht für doppelseitige Bilder in Magazinqualität reicht – kleinere Formate und vor allem Urlaubsfotos gelingen mit guter Schärfe und Farbtreue. Das ist dem CCD-Chip zu verdanken, der aus rund einer Million Bildpunkten besteht. Zum Vergleich: Das vor eineinhalb Jahren getestete Modell brachte es nur auf ein Drittel der Pixel.
Die beigelegte Software dient der Archivierung der Aufnahmen und bietet die Möglichkeit, die Bilder zu Fotoalben zusammenzufassen. Außerdem sind einfache Bearbeitungsfunktionen zum Beschneiden und zur Helligkeits- und Kontrastkorrektur vorhanden. Die Knöpfe sind schön bunt, aber wenig intuitiv zu bedienen – eine schnörkelose Oberfläche und ein flotteres Rechentempo würde mehr Spaß bringen. Praktisch: Im Explorer-Fenster von Windows95 erscheint die Kamera wie eine Festplatte als eigener Ordner. So können Bilder schnell verschoben oder gelöscht werden.
Die C-820L (circa 1000 Mark) von Olympus hat wie die Kodak eine automatische Belichtung und Schärfeeinstellung, Blitz mit Vorblitz gegen rote Augen sowie eine Makrofunktion. Allerdings beschränkt sich der CCD-Chip auf 810000 Pixel, was eine etwas schlechtere Bildqualität bedeutet.
Nach der kinderleicht zu bedienenden Kodak-Kamera ist der Umgang mit der Olympus etwas mühsam. Die viel zu winzigen Tasten auf Verdacht zu drükken bringt nichts, weil manche der Knöpfe gemeinsam betätigt werden müssen und sich so die richtige Funktion nicht auf Anhieb finden läßt. Wenig hilfreich ist das kontrastreiche Farbdisplay, das statt des genialen Kodak-Menüs nur anzeigt, welche der Tasten auf der Oberseite der Kamera man drücken muß. Die beiliegende Anleitung bringt kaum Erleuchtung, weil manche Funktionen mißverständlich beschrieben sind.
Praktisch ist die Indexfunktion: Sie zeigt kleine Vorschaubildchen, die man schnell löschen kann, sogar eine Minidiashow ist eingebaut. Ungewöhnlich ist die Schnellschußfunktion, mit der man innerhalb einer Sekunde neun Fotos eines sich bewegenden Objekts machen kann. Jedes Bildchen nutzt dafür aber nur ein Neuntel der maximalen Auflösung – entsprechend gering ist die Qualität.
Auf die zwei Megabyte große Speicherkarte der C-820L passen neun Aufnahmen in der höchsten Auflösung. Die Karte enthält eine Panoramafunktion, mit der mehrere Aufnahmen zu einem Breitbild zusammengebastelt werden können. Weitere Zubehör-Karten bieten Rahmen für Grußkarten oder Kalenderblätter.
Damit zielt Olympus auf Kunden, die nicht den Umweg über den PC gehen wollen, sondern mit einem speziellen Drucker direkt aus der Kamera Fotos zu Papier bringen wollen. Olympus bietet mit dem P-300E (1400 Mark) einen solchen Drucker mit Thermosublimationsverfahren an, der bei Fotos eine bessere Qualität als der (später beschriebene) Tintenstrahldrucker von Hewlett-Pakkard bietet. Allerdings ist die Ausgabe auf das magere Format von 8,2 mal 10,9 Zentimeter beschränkt.
Dank der gelungenen Software versteht sich die Kamera gut mit dem PC. Die Oberfläche ist schnörkellos und erlaubt die Steuerung aller Kamerafunktionen vom PC aus. Leider fehlt eine Funktion, um Helligkeit und Kontrast zu beeinflussen – hier ist man auf ein Bildbearbeitungsprogramm angewiesen, das aber nicht mitgeliefert wird.
Bei der Bildqualität gibt sich die Olympus keine Blöße. Sie bietet gute Farben und trotz geringerer Auflösung eine für Urlaubsfotos ausreichende Bildqualität.
Der Scanner: Hewlett-Packard Photosmart
Ein Schlitz, zwei Tasten, drei Leuchtdioden – mehr ist an der Frontseite des HP Fotoscanners (999 Mark) nicht zu sehen. Der Scanner verdaut Papierbilder bis zum Format 13 mal 18 Zentimeter, Negative und Dias, die mit einer Auflösung von 400 Punkten pro Zoll (Papier) beziehungsweise 2400 Punkten pro Zoll gescannt und über eine beiliegende Erweiterungskarte zum Computer übertragen werden.
Die Bedienung ist denkbar einfach: Gewünschte Vorlagenart über die Tipptaste wählen und Bild einlegen – fertig. Der Scanner zieht die Vorlage ein und startet automatisch die Software. In rund 15 Sekunden ist das Vorschaubild auf dem Schirm und kann in puncto Helligkeit, Kontrast und Farben manipuliert werden. Speichert man das Bild, spuckt der Scanner die Vorlage langsam wieder aus und zeichnet dabei die Feindaten auf. Insgesamt dauert die Prozedur weniger als eine Minute.
Verglichen mit einer digitalen Kamera ist die Auflösung des Scanners bei Dias und Negativen ungefähr doppelt so hoch. Die Bilder sind entsprechend scharf und die Farben sehr natürlich. Bei Papierbildern ist die Auflösung mit Kamera-Standard vergleichbar. Die Begründung von Hewlett-Packard: Papierbilder sind nur Kopien von Negativen und damit von vornherein qualitativ schlechter.
Die mitgelieferte Bildbearbeitungssoftware PictureIt von Microsoft hatte ihre Tücken. Zwar bietet sie eine Fülle von Manipulationsmöglichkeiten sowie fertige Projekte zum Druck von Grußkarten, Kalendern und Collagen, doch nicht alles funktioniert einwandfrei. Zudem dauert das Einlesen und Speichern von Bildern selbst auf einem Pentium-II-Rechner eine Ewigkeit.
Der HP-Photosmart-Scanner ist ein empfehlenswertes Gerät für Hobbyfotografen, die eine umfangreiche Bildsammlung aus Dias und Negativen digital archivieren wollen. Wer bisher ausschließlich Papierbilder gesammelt hat, kommt mit einem herkömmlichen Flachbettscanner besser weg: Gute Geräte bieten eine bessere Qualität und kosten nur ein Viertel.
Der Drucker: Hewlett-Packard Deskjet 720C
Der HP Deskjet 720C (599 Mark) von Hewlett-Packard ist mit Photo-Ret-II ausgerüstet. Dabei werden bis zu 16 Tintentröpfchen à 10 Picoliter (Billionstel Liter) übereinander gedruckt und nach Angaben des Herstellers Farbabstufungen wie bei einem Fotoabzug erzielt. Voraussetzung ist, daß man den Drucker mit hochwertigem – und leider teurem – Spezialpapier füttert. Tatsächlich lobte das Computermagazin Chip den Tintenstrahldrucker für seine Druckqualität.
In unserem Test, bei dem wir vor allem auf möglichst realistischen Fotodruck Wert legten, konnten wir dieses Ergebnis nur bedingt bestätigen. Verglichen mit einem Fotoabzug aus dem Labor zeigte der 720C Schwächen: Die einzelnen Druckpunkte sind vor allem bei weichen Farbübergängen oder Hauttönen deutlich sichtbar. Die Brillanz der Farben ist ausgezeichnet, dafür hapert es bei der Farbechtheit, wobei die Wahl einer höheren Druckqualität erstaunlicherweise manchmal schlechtere Ergebnisse liefert.
Entscheidend ist die Aufnahmequalität des digitalen Bildes. Stammt es von einer der beiden getesteten Digitalkameras, war der Ausdruck immer etwas flau, die Rasterung grob und Details unscharf. Das kann nicht allein an den Kameras liegen, wie die Ausgabe auf einem professionellen Drucker bewies, denn der holte deutlich mehr Details aus den Vorlagen heraus. Andererseits druckte der 720C besser, wenn man ihn mit einem hochauflösenden Bild aus unserem Redaktionsscanner fütterte.
Beim heiklen Thema Druckkosten gibt sich der 720C bescheiden: Hochwertiges A4-Fotopapier kostet zwischen 1 und 1,50 Mark, die farbige Tintenpatrone (reicht für circa 70 vollbedruckte A4-Seiten) 92 Mark und die schwarze Tintenpatrone (reicht für circa 800 A4-Seiten mit 5 Prozent Flächendeckung) 76 Mark. Druckt man vier Fotos der Größe 9 mal 13 Zentimeter auf eine Seite, kostet ein Foto 70 Pfennig – nicht mehr als ein Laborfoto, wenn man Film, Entwicklung und Abzug einrechnet.
Das Fazit
Die getesteten Geräte waren erfreulich leicht zu installieren und zu bedienen und bereiteten eine Menge Spaß. Dennoch: Wirkliche Fotoqualität, wie man sie aus dem Labor gewöhnt ist, liefern sie nicht – vor allem, wenn man Kamera, Scanner und Drucker zur digitalen Dunkelkammer zusammenspannt. Kombiniert man eines der Testgeräte mit einem Profigerät – Kamera mit Profidrucker oder Profiscanner mit Drucker – steigt die Qualität deutlich. Unser Tip: Was an der digitalen Fotografie am meisten Spaß macht, ist die schnelle Verfügbarkeit der Bilder und die Manipulationsmöglichkeiten durch die Software. Dafür genügen eine Megapixel-Kamera wie die Kodak DC-200 sowie ein gutes Programm zur Bildbearbeitung und Archivierung. Gute Ausdrucke kann man in einem spezialisierten Labor oder über das Internet bestellen. Wer sowieso einen Drucker kaufen muß und auch Glückwunschkarten oder T-Shirts bedrucken will, ist mit dem HP 720C gut bedient. Um wirkliche Fotoqualität zu erreichen, müssen sich Hewlett Packard und alle anderen Hersteller aber noch kräftig ins Zeug legen. Übrigens: Die Preise, insbesondere für die Kameras, sollten Sie nicht allzu ernst nehmen. Wenn dieses Heft erscheint, sind sie mit Sicherheit schon wieder gesunken. Bereits zum Redaktionsschluß durchbrachen manche Megapixel-Kameras die Schallmauer von 1000 Mark.
Infos und weitere Modelle
Digitalkameras Kodak: 0130/825402, http://www.kodak.com Olympus: 040/237730 ttp://www.olympus.de/
Weitere empfehlenswerte Modelle: Casio QV-5000SX (1,3 Millionen Pixel, DM 1300,-) Ricoh RDC4300 (1,3 Mill. Pixel, DM 1700,-) Olympus C-840L (1,3 Millionen Pixel, DM 1500,-) Fuji MX-700 (1,4 Millionen Pixel, DM 1800,-) Kodak DC-260 (1,6 Millionen Pixel, DM 2400,-)
Scanner Hewlett-Packard: 0180/5326222 http://www.hewlett-packard.de/printer/photosmart/subhome_flash.html
Empfehlenswerte Flachbettscanner für Papiervorlagen bis A4: Agfa Snapscan 310 (DM 400,-) Microtek Phantom 330 (DM 230,-) Vobis Highscreen Scan-Boostar Basic (DM 200,-)
Drucker Hewlett-Packard: 0180/5326222 http://www.photoret.hp.com/
Weitere empfehlenswerte Drucker: Epson Stylus Photo 700 (DM 600,-) Canon BJC 7000 (DM 600,-)
Bildbearbeitungssoftware Micrografx Picture Publisher 4.0 (DM 30,-) Microsoft PictureIt 2.0 (DM 80,-) Micrografx Picture Publisher 8.0 (DM 250,-)
Bernd Müller




