UNSERE CHANCE „They never come back” lautet ein strapazierter Spruch aus dem Boxsport. Er besagt, dass sich ein Weltmeister im Schwergewicht nach einer Niederlage nie mehr an den Titel heranboxt. Doch seit Floyd Pattersons Comeback gegen den schwedischen Weltmeister Ingemar Johansson 1960 ist diese Regel nicht mehr ohne Ausnahme.
Auch China schlägt sich gerade gewaltig nach vorne: Es wird wieder Weltmacht, was es bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts schon einmal war. Anders als die Pharaonen, Athener, Römer oder Maya melden sich die Chinesen nach finsteren Jahrhunderten auf der Weltbühne zurück (mehr dazu in unserer Titelgeschichte ab Seite 50). Und dies wahrscheinlich mit größeren globalen Auswirkungen als in den Jahrtausenden ihrer ersten Macht- und Technikdemonstration. Ins Straucheln brauchen wir im Westen dennoch nicht zu kommen. Warum?
Moderne Informationsgesellschaften können sich Herausforderungen flexibler und vor allem vielfältiger stellen, als das früheren Kulturen je möglich war. Selbstgefälligkeit bei den Verantwortlichen gibt es zwar weiter – und auch gezielte Desinformation jener, die es sich in einem Staat bequem eingerichtet haben oder ihn ideologisch beherrschen wollen. Doch erstmals in der Geschichte kann der Bürger heute selbst rasch und kostengünstig an profunde Informationen herankommen: Das Internet mit seinem ungeheuren Potenzial einer innovativen, demokratischen Meinungsbildung eröffnet im Verbund mit den klassischen Medien die Möglichkeit, Probleme frühzeitig zu erkennen, zu analysieren und – was am wichtigsten ist – zu reagieren und zu agieren.
Genau wie China mit seinem Wiedererstarken dem „never come back” Paroli bietet, fallen auch wir nicht zwangsweise aus dem Ring. Um die chinesische Herausforderung zu meistern, müssen sich allerdings etliche von ihrer Sattheit verabschieden. Auch unsere Angst vor möglichen Bedrohungen sollten wir überdenken. Was alle Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zusammen nicht geschafft hatten, bringt heute schon ein Orkan namens Kyrill fertig: Die Bahn in Deutschland geht flächendeckend zu Boden.





