Jakob war in den USA gewesen und hatte ein Semester Volkswirtschaftslehre an der University of Georgia in Athens studiert. Er war erst seit einigen Tagen zurück, als ich ihn in der Dorfkneipe traf. Bei ein paar Gläsern Bier erzählte er mir von seinen Erlebnissen in Amerika. „Im Großen und Ganzen unterscheidet sich das Leben in den USA kaum von dem in Europa, aber im Detail eben doch”, sagte er. Dann berichtete er von einem kuriosen Erlebnis:
„Ich kam aus einem Supermarkt, als ich sah, wie sich eine junge Frau mit einer schweren Getränkekiste abmühte. Ich bot meine Hilfe an und trug ihr die Kiste zum Auto. Dann lud ich sie zu einer Tasse Kaffee ein. Sie nahm die Einladung an, und es wurde ein wundervoller Nachmittag in dem Café. Als ich Rachel – so hieß die junge Frau – zum Abschied fragte, ob wir uns wiedersehen könnten, sagte sie zu, nahm einen Zettel, schrieb darauf ihren Namen und ihre Adresse und fügte auch noch ihr Geburtsdatum hinzu. Doch als ich Rachel am nächsten Tag anrufen wollte, fand ich den Zettel nicht mehr. Erst Wochen später entdeckte ich ihn in der Tasche einer Hose, die ich in die Waschmaschine stecken wollte. Zufällig zeigte der Kalender genau das Datum, das mir Rachel als ihren Geburtstag aufgeschrieben hatte. Aber ich traute mich nicht, nach so langer Zeit bei ihr anzurufen. Darum ließ ich ihr über ein Blumengeschäft einen Blumenstrauß bringen und schrieb auf die Begleitkarte, dass ich dem Geburtstagskind alle Gute wünschte und mich freuen würde, wenn wir uns am Nachmittag um drei Uhr in unserem Café treffen könnten. Ich war schon eine halbe Stunde früher dort und wartete auf Rachel. Kurz nach drei trat eine Frau an meinen Tisch, die bei Weitem nicht so hübsch war wie Rachel, aber ihr doch sehr ähnlich sah. ,Hallo‘, sagte sie. ,Ich bin Lea Laban. Vielen Dank für die Einladung.‘ ,Ich hatte eigentlich … äh … setz dich doch‘, stammelte ich. Es stellte sich heraus, dass Lea Rachels ältere Schwester war und tatsächlich an diesem Tag Geburtstag hatte. Lea hatte sich über die Einladung des unbekannten Deutschen gewundert, aber Rachel hatte ihr gesagt, ich sei nett und sie solle ruhig hingehen. ,Wann hat denn deine Schwester Geburtstag?‘ , fragte ich Lea. Als sie mir das Datum nannte, wurde mir schlagartig klar, welchen Fehler ich gemacht hatte. Die Amerikaner schreiben bei einem Datum zuerst den Monat und dann den Tag. Mein Geburtstag, der 5. November, wird in Europa als 5.11. geschrieben und in den USA als 11.5. Daran hatte ich nicht gedacht und Rachels Geburtstagsdatum europäisch gedeutet. Der Zufall wollte es, dass man Leas Geburtstagsdatum erhält, wenn man bei Rachels Geburtstagsdatum Monats- und Tageszahl vertauscht. ,Es gibt noch einen weiteren Zufall‘, sagte Lea. ,Mein Geburtstag fällt immer auf den gleichen Wochentag wie der einige Zeit darauf folgende Geburtstag meiner Schwester.‘ “
Ich war nicht sonderlich an dem Datum interessiert, fragte aber doch aus Höflichkeit: „Wann hat denn Lea eigentlich Geburtstag?”. Jakob reagierte unwirsch: „Das kannst du dir doch leicht selbst überlegen!” Ich dachte nach und erwiderte: „Nein. Dazu fehlen mir noch Informationen.” Jakob antwortete nach kurzem Nachdenken: „Du hast Recht. Aber wenn ich dir verriete, in welchem Jahresdrittel Leas Geburtstag liegt, dann könntest du es herausbekommen.” Wissen Sie, auf welches Datum Leas Geburtstag fällt?
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Juli 2013 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 7|13″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im Oktober-Heft 2013 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.
Das gibt es zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Buchpreis ist der Titel „Warum ich weiß, was du denkst”. Darin beschreibt der Psychologe und Hirnforscher Rainer Bösel, Professor an der International Psychoanalytic University in Berlin, die Kunst des Gedankenlesens – nicht als esoterischen Hokuspokus, sondern als gut verständliche Zusammenfassung der aktuellen Hirnforschung, Psychologie, Kommunikationswissenschaft und Anthropologie. Dabei geht es vor allem um soziales Gespür und Einfühlungsvermögen sowie um die Analyse von Gestik und Mimik. Denn in der Evolution wurde der Mensch darauf ausgerichtet, erahnen zu können, wie sich andere fühlen, wie sie reagieren und was er selbst unter ähnlichen Umständen tun würde. Umgekehrt hilft das Verständnis anderer – die Empathie – dabei, sich selbst zu durchschauen. Mehr Informationen finden Sie auf der Verlags-Website unter www.galila.at.





