Ursuppe: Die Experimente von Harold Urey und Stanley Miller 1953 machten die Theorie populär. Die Forscher erzeugten in einer Ur-Atmosphäre durch elektrische Entladungen Aminosäuren und einfache Proteine. Bis heute basieren viele Experimente zur Entstehung des Lebens auf dem Konzept dieser Ursuppe. Die Energiequelle der ersten Mikroben wären demnach die Substanzen der Suppe gewesen. Das größte Problem dabei: Die Ursuppe ist chemisch im Gleichgewicht. „Da reagiert nichts mehr”, sagt der Biologe William Martin. Auch die Molekularbiologie spricht gegen die Ursuppe: Die ersten Mikroben ernährten sich wohl nicht von organischen Substanzen, sondern nutzten chemische Energiequellen.
Panspermie – Biogenese im Weltall: Manche Forscher argumentieren, die Erde sei zu jung, um etwas so Komplexes wie das Leben hervorzubringen. Es sei daher anderswo im Weltall entstanden und mit Kometen oder Asteroiden zur Erde gekommen. Martins Urteil: „Das kann durchaus sein, ändert aber nichts an dem Grundproblem.” Die Frage nach der Schöpfung wird nur an einen anderen Ort verlagert. Tatsächlich enthalten viele Meteoriten komplexe organische Moleküle, sogar Bausteine der Erbsubstanz DNA. Kamen wenigstens die Substanzen des Lebens aus dem All? Martin bezweifelt es: „Im Meer hätten sich diese Stoffe stark verdünnt. Dann hat man wieder eine Ursuppe.”
Oberflächenmetabolismus: An der Oberfläche von Tonmineralen laufen chemische Reaktionen beschleunigt ab. Wurden an solchen Mineralen die ersten Biomoleküle zusammengesetzt? Wohl eher nicht. Lebewesen benutzen keine Silikat-Katalysatoren. Auch die Konzentration der Biomoleküle ist ein Problem.
Schöpfung im Eis: Wenn Meerwasser gefriert, bilden sich flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Darin sammeln sich Verunreinigungen. Je höher die Konzentration an Biomolekülen ist, desto besser sind die Voraussetzungen für biochemi- sche Reaktionen. Trotzdem hat William Martin Zweifel, dass das Leben einst im Eis entstand: „Hier fehlt der chemische Antrieb.” Zudem ist unklar, ob es auf der jungen Erde überhaupt Eis gab.
Kleiner warmer Tümpel: Auch hydrothermale Quellen an Land gelten neuerdings als mögliche Brutstätten des Lebens. Das Hauptargument: In Pfützen aus kondensiertem Thermalwasser gab es bestimmte Spurenelemente wahrscheinlich genau in derselben Konzentration wie heute in lebenden Zellen. Zudem lieferten die heißen Schlote ein organisches Gebräu mit Grundstoffen für die Biosynthese. Ähnlich wie bei der Ursuppe bleibt aber unklar, warum sich die Substanzen in den Tümpeln zu komplexen Polymeren verbinden sollten.




