Insgesamt acht Tage lang hatte das Hubble-Weltraumteleskop den 7000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufen M4 im Sternbild Skorpion im Visier, um die Temperaturen seiner lichtschwächsten Mitglieder zu messen. Dadurch gelang es Harvey Richer von der kanadischen University of British Columbia und seinen Kollegen, das Alter dieser ausgebrannten Weißen Zwergsterne zu errechnen – ähnlich wie man aus der Wärme der Asche abschätzen kann, wann ein Lagerfeuer erloschen ist. Ergebnis: Die Weißen Zwerge sind 12 bis 13 Milliarden Jahre alt. Das passt zur Ausdehnungsrate des Weltraums, die darauf schließen lässt, dass der Urknall vor mindestens 13 bis 14 Milliarden Jahren stattfand. Dass die Temperatur der Kohlenstoff-Atmosphäre Weißer Zwerge sich als kosmische Uhr eignet, ist schon lange bekannt. Doch erst jetzt gelang es dem hochempfindlichen Weltraumteleskop, die uralten Fossilien im M4 aufzuspüren. Ihre Helligkeit beträgt nur 30 Magnituden – weniger als ein Milliardstel der Helligkeit von gerade noch mit bloßem Auge sichtbaren Sternen oder düsterer als das Glimmen einer Zigarette auf der Erde, betrachtet vom Mond aus. M4 ist einer der 150 Kugelsternhaufen, die die Milchstraße umkreisen und sich bildeten, bevor unsere Galaxis aus kosmischen Gaswolken und Zwerggalaxien entstand (bild der wissenschaft 5/2001, „Die kannibalische Milchstraße”).
Hans Groth




