„Psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten”, betont Andreas Meyer-Lindenberg: Pro Jahr werden in Deutschland 2,5 Millionen Suchterkrankungen, 11 Millionen Angsterkrankungen, 5,4 Millionen affektive Störungen, 820 000 Schizophrenien und 929 000 Demenzen behandelt. Das kostet jährlich über 80 Milliarden Euro – in ganz Europa sind es 800 Milliarden Euro (siehe Grafik auf S. 35).
Dem Leiter des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim liegt eine Verringerung dieser Zahlen sehr am Herzen. Der „sprunghafte Erkenntniszuwachs in der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung” berge große Chancen für die Verbesserung der Therapie. Ganz besonders erhofft er sich neue Erkenntnisse aus der Stammzellforschung und der Kombination aus Genetik und bildgebenden Verfahren. Die Forschung in Deutschland und auch die klinische Versorgung der Erkrankten bekommen von ihm gute Noten. Allerdings müssten die Forschungsleistungen deutlich besser in die Therapien integriert und somit näher zum Patienten gebracht werden.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eröffnete in den vergangenen Monaten mehrere „Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung”: für Krebs-, Herz-Kreislauf-, Infektions- und Lungenkrankheiten – doch psychische Erkrankungen gingen leer aus. Zwar entstand bereits 2009 das „Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen” in Bonn, das sich mit Alzheimer und Demenz beschäftigt. Die häufigeren psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen und Burn-out wurden jedoch bisher nicht berücksichtigt.




