Den Vorgängen innerhalb der ersten drei Minuten nach der Entstehung des Universums sind Astronomen auf die Spur gekommen. Mit dem 10-Meter-Keck-Teleskop auf Hawaii glückte David Tytler von der University of California in San Diego und seinem Team die bislang genaueste Messung von Deuterium. Dieser schwere Wasserstoff – seine Atome bestehen aus einem Proton und einem Neutron – machte sich im Licht eines fernen Quasars namens HS 0105+1619 bemerkbar.
Die Anzahl der Deuterium-Atome im Weltall gibt Auskunft über die Kernsynthese kurz nach dem Urknall. Tytlers Team fand nun, daß auf ein Deuterium-Atom 40000 Atome des leichten Wasserstoffs kommen, dessen Kern nur aus einem Proton besteht.
Daraus folgern die Kosmologen, daß der Anteil der gewöhnlichen baryonischen Materie – bestehend aus Neutronen und Protonen – an der Gesamtmasse des Universums nur etwa vier Prozent beträgt. Der überwiegende Rest wird von einer ominösen Dunklen Materie (30 Prozent) und einer noch rätselhafteren Dunklen Energie (66 Prozent) geliefert (bild der wissenschaft 7/2001, „Die mysteriöse Dunkle Energie”). Der Deuterium-Anteil erlaubt es auch, das Verhältnis von Materie zur Antimaterie im frühen Universum abzuschätzen: Auf zwei Milliarden Antiprotonen kamen zwei Milliarden und ein Proton. Die meiste Materie ist mit der Antimaterie zerstrahlt. Aus dem winzigen Rest besteht all das, was wir heute im Universum beobachten können.
Hans Groth




