Ich halte die Diskussion um einen Verfall der deutschen Sprache für unangebracht. Die Entwicklung einer Sprache ist eine fortlaufende und besitzt Eigenschaften einer Evolution. Sie passt sich ihrer Umwelt an, um die bestmögliche Effektivität zu erreichen, zum Beispiel in Form einer Fachsprache in bestimmten Berufen. Somit ist eine Veränderung der Sprache fast nicht zu verhindern, außer, man stoppt auch die Entwicklung der Gesellschaft – ein utopischer Plan.
Jonas Drescher, Bergisch Gladbach
die entwicklung der deutschen sprache gehört, zusammen mit den 9 anderen weltsprachen, unbedingt in bdw – online-kleinschreibung praktiziere ich gerne, wegen trotzdem guter lesbarkeit und leichter handhabung des 2-finger-suchsystems – handschrift wird in groß- und kleinschreibung besser lesbar, deshalb behalte ich sie beim briefeschreiben gerne bei – finde in ordnung, dass manche begriffe aus dem englischen und anderen sprachen ins deutsche einfließen
in der münchner u+s-bahn-fahreransage mutet künstlich an, dass die sprecher/innen etwas krampfhaft die „…en”- endungen deutlich ausprechen, zum beispiel „zurückbleib-en” anstatt „ -bleibm”, in der wohl irrigen meinung, ausländer oder auch wir deutschen verstünden das besser – klingt höchst provinziell, wie ich finde
bernd reumann, per e-mail
Mit Interesse und viel Freude habe ich Ihren Artikel gelesen. Ein weiteres Beispiel, wie sich Sprache verändert, ist das Verschwinden einer grammatischen Form des Verbs „mögen”. Auf die Frage „Magst du Eis?” könnte man antworten: „Ja, Eis mag ich sehr. Aber jetzt möchte ich keines, mir ist schlecht.” Das Verb „ mögen” hat im Präsens zwei Formen: die generelle Form „ich mag, du magst, …” und die aktuelle „ich möchte, du möchtest, …” .
Hier ist der Sprachgebrauch gerade dabei, sich zu verändern. In der Generation der heute 30- bis 50-Jährigen ist die aktuelle Form praktisch ausgestorben und stößt meist auf Unverständnis: „ Das Verb ,möchten‘ gibt es doch gar nicht”, wurde ich schon belehrt, „also magst du jetzt ein Eis oder nicht?” Wahrscheinlich verschwindet die schon heute kaum noch gebräuchliche Form auch bald aus dem Duden.
Dieter Seuffert, Bensheim
Ich glaube, niemand wird sich bei einer lebenden Sprache gegen Veränderungen aussprechen. Was mir aber zunehmend auffällt, ist, dass – getrieben durch Werbung und Geschäftsleben – aus meiner Sicht völlig unnötige Fremdworte aufgenommen werden. Ich habe mich in manchen „Meetings” ernsthaft gefragt, ob ich nicht gleich komplett englisch sprechen sollte. Eigentlich sprach man nur noch die Füllworte deutsch aus. Wahrscheinlich möchte man zeigen, dass man dazugehört, international ist. Das passt in eine Zeit, in der Worthülsen und die Art der Präsentation mehr Bedeutung zu haben scheinen als der Inhalt.
Gert Strandt, per E-Mail
Im Kasten „Deutsch, ein Straßenköter” (Seite 66) erwähnen Sie eine Wortkette mit 67 Buchstaben. Ich kenne seit mehr als 50 Jahren eine „rein deutsche” Berufsbezeichnung mit 70 Buchstaben: „ Gesundheitswiederherstellungsmittelzusammenmischungsverhältniskundiger” . Vereinfacht und mit einem Fremdwort ausgedrückt heißt das „ Apotheker”.
Siegfried Held, per E-Mail
Soll das Titelbild provozieren und/oder den Verkauf steigern? Wir hätten Ihnen mehr Fingerspitzengefühl anstatt dieser Geschmacklosigkeit zugetraut.
Dr. Christiane und Sebastian Schopplich, per E-Mail
Die Bücher von Bastian Sick über den angeblich so unfeinen Dativ haben eine epidemisch ausgebreitete Sprachverhunzung zur Folge gehabt: Überall, wo korrekterweise der Dativ verwendet werden muss, wird jetzt besinnungslos der Genitiv verwendet, und zwar nicht im Volke, sondern in allen Medien und der Schriftsprache. Besonders beliebt nach Wörtern wie „entgegen”, „ gemäß”, „nahe”, „entsprechend”. Da geschraubte Genitiv-Konstruktionen jetzt Konjunktur haben, ist auch das simple Wörtchen „durch” inzwischen flächendeckend mit „dank” ersetzt worden. Das führt im schlimmsten Fall zu Satzanfängen wie „Dank derer konnte man …”.
Alexander Feidel, per E-Mail
Dass bereits mein Zweijähriger alles „geil” findet, habe ich mittlerweile akzeptiert. Offenbar ist dieses Wort ein Paradebeispiel für den Bedeutungswandel.
Wolfgang Dick, per E-Mail
Der Artikel geht genau in die richtige Richtung und ist bisweilen erfrischend provokant. Der einzige schwere sachliche (aber im Zusammenhang völlig unbedeutende) Fehler ist ausgerechnet dem zitierten germanistischen Linguisten Helmut Henne zuzusprechen: Den Ursprung des Wörtchens „geil” im Mittelalter mit aufrecht(!) stehenden Pflanzen in Zusammenhang zu bringen, ist unfreiwillig komisch.
Man muss nicht einmal mittelhochdeutsche Wörterbücher benutzen, der Kluge hätte es auch getan (gemeint ist: Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Gruyter 2002, Anm.d.Red.). „Geil” ist im Mittelalter zwar nicht auf die sexuelle Bedeutung reduziert, kommt ihr semantisch aber sehr nahe. Es bedeutet „von wilder Kraft, mutwillig, üppig, lustig, fröhlich, begierig”. Eventuell bedeutet die indoeuropäische Wurzel so viel wie „Gier”.
Prof. Michael Dallapiazza, Università degli Studi, Istituto di Lingue, Urbino/Italien
Der deutsche Tourist, der Französisch kann, wird im allerletzten Winkel Frankreichs, selbst wenn dort noch eine Regionalsprache gesprochen wird, höflicherweise immer eine Antwort bekommen – in der gleichen einheitlichen französischen Sprache, in der er den Einheimischen angesprochen hat. Und der französische Tourist in Deutschland? Der täte besser daran, mit Deutschen in Deutschland Englisch zu sprechen.
Lucien Georg Bürcker, per E-Mail
Während „zu meiner Zeit” mehrere Diktate im Schuljahr üblich waren, hat mein mittlerweile 13-jähriger Sohn als Gymnasiast in Baden-Württemberg bis heute kein einziges benotetes Diktat geschrieben. In der Grundschule war mal wieder eine Schulreform, die die Sprache vor die Schrift stellte, einhergehend mit der noch nicht verbindlichen Anwendung der neuen Rechtschreibung, weswegen „sowieso jeder schreiben durfte, wie er wollte”. In der fünften Klasse gab es ein Einstufungsdiktat. Als dessen Ergebnis wurde festgestellt, dass einige Mitschüler über eine Lese- und Rechtschreibschwäche verfügten und gezielt gefördert werden müssten. Diese Schüler waren von einer Rechtschreib-Benotung ausgenommen – hatten sie doch eine anerkannte Schwäche. Den anderen Schülern gegenüber wäre daher eine Benotung ungerecht gewesen – sodass die auch keine Zensuren erhielten.
Marc Warzawa, per E-Mail
Mich hat die Grafik zu den „Top Ten” der Weltsprachen auf Seite 66 interessiert. Hier fiel mir auf, dass die gelben Kästchen mit den chinesischen Schriftzeichen vertauscht sind und auf die falschen Diagrammbalken weisen. Das Kästchen, das oben auf Chinesisch weist, bedeutet „Japanisch”, das unten auf Japanisch weisende bedeutet „Chinesisch”. Gerhard Kahlenbach, per E-Mail





