Ehrfurchtgebietend dröhnt dumpf der röhrende Ruf des mächtigen Zwölfenders durch den dunklen Tann. Wenig später beschreitet er majestätisch die Lichtung: Cervus elaphus, der Rothirsch, der König des Waldes. Weniger königlich verhält sich das wehrhafte Tier, wenn es zu regnen beginnt. Dann verkrümelt sich der Hirsch im schützenden Unterholz.
Ein Team von Wissenschaftlern der Universitäten Cambridge und Leeds um Larissa Conradt hat herausgefunden: Hirsche sind extrem wasserscheu und kälteempfindlich. Hirschkühe dagegen lassen sich von Regen und Kälte wenig beeindrucken. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher, als sie die Tiere auf der schottischen Insel Rhum beobachteten. Daß Rothirsche so empfindlich sind, hatten sie nicht erwartet. Des Rätsels Lösung: Gerade weil Hirsche so stattlich sind, haben sie einen großen Energiebedarf. Bei Regen und Kälte können sie aber nicht schnell genug ausreichend Nahrung aufnehmen, um den Verlust an Körperwärme auszugleichen. Jetzt will man in Rotwild-Parks mehr Unterschlüpfe schaffen, um den Hirschen das (Über-)Leben leichter zu machen. Nutznießer davon wären dann aber nicht die Hirschkühe – sondern die britischen Jäger.
Hans Groth




