Das Gespräch führte JOHANNES BECKER
Prof. Mauch, was hat Sie an den Bildern Ihres Kollegen Bernhard Lang am meisten beeindruckt?
Faszinierend finde ich, dass man nicht auf den ersten Blick und oft auch nicht auf den zweiten Blick weiß, worum es sich handelt. Ein Beispiel sind die Ölschiefergebiete in Estland. Das, was auf den Bildern tropisch und exotisch erscheint – Wasserfarben wie auf den Malediven – ist in Wirklichkeit extrem giftig. Es verbirgt sich also etwas hinter diesen Bildern und es ist etwas ganz anderes, als das, was es uns auf den ersten Blick vorgibt zu sein.
Welche Gedanken kommen Ihnen als Umwelthistoriker beim Anblick der Bilder?
Die Bilder machen neugierig. Als Umwelthistoriker erzähle ich Geschichten über das Verhältnis des Menschen zur Natur, auch darüber was uns aus der Helikopterperspektive verborgen bleibt. Was die Bilder vereint, ist letztlich ein verwundeter Planet. Mich interessieren Narrative, die erklären können, warum die Welt, in der wir leben, so aussieht, wie sie aussieht. Für eine solche Erklärung müssen wir uns die Frage stellen, wie und vor allem, warum sich das Verhältnis vom Menschen zu seiner Umwelt im Laufe der Geschichte verändert hat.
Wie beschreiben Sie das heutige Verhältnis des Menschen zur Natur?
Wir sind Parasiten. Ein Parasit ist ein Lebewesen, das aus der ihn umgebenen Welt einen Nutzen zieht. Übrigens überträgt er auch Krankheiten und schert sich nicht darum, was er verursacht, sondern nur was ihm nützt. Wir sollten eher dahin kommen, dass wir Kommensale werden, also Lebewesen, die von einem anderen Wirt leben und sich davon ernähren, aber diesem nicht schaden.
“Die Auswirkungen auf die planetare Gesundheit – auf die Gesundheit von Erde und Mensch – sind immens.”
Einen großen Nutzen hat etwa der Abbau von Braunkohle. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?




Bernhard Lang und Christof Mauch











