Noch vor wenigen Jahren ratterte in vielen Küchen die klassische Saftzentrifuge. Heute steht dort immer öfter ein Slow Juicer – leise, elegant, und für viele längst ein Lifestyle-Objekt. Der langsam pressende Entsafter hat den Markt in kurzer Zeit erobert, da in der modernen Ernährung kompromisslose Frische und Qualität wichtiger geworden sind als reine Schnelligkeit. Hinter diesem Siegeszug steckt weit mehr als eine flüchtige Modewelle: Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Ingenieurskunst aus Südkorea, die das Entsaften revolutioniert hat. Am Ende geht es um ein spürbar besseres Geschmackserlebnis und um den maximalen Erhalt von Nährstoffen für die Gesundheit derer, die täglich frisch pressen.
Warum langsam besser ist als schnell
Der entscheidende Unterschied liegt im Prinzip. Eine Zentrifuge zerschlägt Obst und Gemüse mit hoher Drehzahl und schleudert den Saft durch ein Sieb heraus. Das geht schnell – wirbelt dabei aber viel Sauerstoff ein und erzeugt Wärme. Ein Slow Juicer arbeitet genau umgekehrt: Eine langsam drehende Pressschnecke quetscht das Pressgut bei sehr niedriger Drehzahl aus, ähnlich wie beim Pressen von Hand. Der Fachbegriff dafür lautet „Kaltpressen" oder, in der von Hurom geprägten Sprache, „Slow Squeeze".
Das Ergebnis merkt man im Glas: Der Saft eines Slow Juicers wirbelt weniger Luft ein, trennt sich weniger schnell in Schichten, bleibt länger frisch und fällt geschmacklich oft intensiver aus. Wissenschaftlich untersucht wurde genau dieser Unterschied unter anderem in einer koreanischen Vergleichsstudie (Kim et al., Food Science and Biotechnology, 2015), die frisch gepresste Säfte aus schnell zentrifugierenden und langsam pressenden Haushaltsgeräten gegenüberstellte.
Für gesundheitsbewusste Menschen ist das der springende Punkt. Anhänger frisch gepresster Säfte schätzen am schonenden Kaltpressen vor allem den hohen Erhalt von Vitalstoffen – von Vitaminen über sekundäre Pflanzenstoffe bis zu den natürlichen Enzymen der Zutaten. Wer sich morgens einen frischen Saft presst, möchte möglichst viel von dem behalten, was in Obst und Gemüse steckt. Genau dieser Wunsch hat den Boom rund um grüne Säfte, Karotten-, Ingwer- und Selleriesaft befeuert – und den Slow Juicer zur ersten Wahl gemacht.
„Deshalb hat der Slow Juicer die Zentrifuge fast vollständig verdrängt", sagt Marko Butze. Sein Fachhandel GrünePerlen begleitet diese Entwicklung bereits seit 2013 und kennt die Geräte aller großen Marken – von Hurom über Kuvings bis zu den horizontalen Klassikern – aus dem täglichen Einsatz und unzähligen Tests. „Die Kunden merken den Unterschied im Glas – im Geschmack und in der Haltbarkeit des Safts."
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Dass es diese Geräte überhaupt gibt, verdankt die Welt zwei koreanischen Unternehmen. Angefangen hat alles mit Hurom. Der 1974 gegründete Hersteller widmete sich von Beginn an dem Thema Gesundheit und stellte 2005 den weltweit ersten vertikalen Slow Juicer mit patentierter Presstechnik vor. Die Idee, den Saft nicht zu schleudern, sondern langsam herauszupressen, war damals eine kleine Revolution.
Wenige Jahre später betrat ein zweiter großer Innovator die Bühne: Kuvings, die Entsafter-Marke des 1978 gegründeten Unternehmens NUC. Kuvings brachte 2012 den ersten „Whole Slow Juicer" auf den Markt – einen vertikalen Entsafter mit besonders großem Einfüllschacht, in den ganze Äpfel passten, ohne dass man sie vorher kleinschneiden musste. Was banal klingt, war ein echter Komfortgewinn und wurde zum Verkaufsschlager.
Seither prägen diese beiden Marken den Weltmarkt – und treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen. „Die Rivalität der beiden hat den ganzen Markt nach vorne gebracht", sagt Butze. „Beide Hersteller sind heute technologisch auf demselben Spitzenniveau – wie zwei Premium-Automarken, die sich mit jeder neuen Generation überbieten wollen."
Horizontal oder vertikal: Zwei Bauarten, zwei Stärken
Wer sich mit Slow Juicern beschäftigt, stößt schnell auf zwei Bauformen. Die horizontalen Geräte mit liegender Einzelschnecke waren die ersten am Markt. Ihre Stärke sind Gräser, Kräuter, Weizengras und langfasriges Grünzeug – für den grünen Saft-Enthusiasten bis heute erste Wahl. Bei weichem Obst dagegen neigen sie zum Rückstau.
Die vertikalen Geräte mit stehender Schnecke wurden zum Massenprodukt: Sie verarbeiten Obst und Gemüse – Karotte, Apfel, Gurke – unkompliziert und sind im Handling am einfachsten. Für den normalen Haushalt sind sie ungeschlagen. Ihre frühere Schwäche waren langfasrige Zutaten wie Sellerie, an denen ältere Modelle verstopfen konnten. Und genau dieser Punkt sollte für einen der spannendsten Wendepunkte der Branche sorgen.
Der Wendepunkt: Die Selleriewelle
Um 2017/18 erfasste ein unerwarteter Trend die Küchen: der Selleriesaft. Populär gemacht durch einen internationalen Bestsellerautor, wollten plötzlich Millionen Menschen morgens puren Selleriesaft trinken. Das stellte die Hersteller vor ein Problem, denn die langfasrigen Stangen brachten viele der damaligen vertikalen Geräte an ihre Grenzen. Für eine Weile erlebten deshalb die horizontalen Slow Juicer eine Renaissance – sie kamen mit dem faserigen Sellerie besser zurecht.
Die vertikalen Marktführer standen damit unter Zugzwang. Wer den bequemen aufrechten Entsafter mit dem Sellerie-Trend versöhnen konnte, würde den Markt gewinnen. Es wurde ein Rennen um die beste Technik – und es beflügelte eine ganze Welle von Neuentwicklungen.
Der Gamechanger: Hurom H320
Den entscheidenden Schritt machte Hurom 2022 mit dem Modell H320. Es vereinte, woran die Ingenieure jahrelang gefeilt hatten: einen großen Einfüllschacht, eine automatische Zuführung, einen großzügigen Tresterkanal und die inzwischen ausgereiften, lasergeschnittenen Edelstahlsiebe, die sich beinahe ohne Bürste reinigen lassen. Erstmals konnte man eine ordentliche Menge vorgeschnittenen Sellerie oben einfüllen, das Gerät einschalten und weggehen – heraus kam ein sauberer Selleriesaft, ohne Verstopfung.
„Der H320 schlug ein wie eine Bombe", erinnert sich Butze. „Er hat den Komfort des großen Schachts mit der Saftqualität der besten kleinen Geräte verbunden – und plötzlich brauchte man für Sellerie kein Spezialgerät mehr." Der Erfolg lenkte den Markt zurück zu den vertikalen Entsaftern und setzte den Maßstab, an dem sich seither alles messen lassen muss.
Aus dieser Entwicklung sind bei Hurom zwei Gerätelinien gewachsen: eine Serie, die auf feinsten, klarsten Saft ausgelegt ist, und eine zweite mit einer zweiteiligen Mehrfachschnecke, die sich besonders schnell reinigen lässt – für alle, denen ein Minimum an Aufwand nach dem Entsaften wichtiger ist als der letzte Rest Klarheit im Glas. Diese Wahlmöglichkeit ist typisch für den heutigen Reifegrad des Markts.
Kuvings zieht nach: Der Motor läuft weiter
Kuvings ließ die Vorlage nicht unbeantwortet. 2023 brachte die Marke mit der neuen Auto-Serie eigene Geräte auf Augenhöhe – mit besonders großem Vorratsbehälter und automatischer Zuführung –, ergänzt um kompaktere Varianten. So geht das Kopf-an-Kopf-Rennen weiter, und jede Runde bringt den Kunden bessere Geräte. „Man merkt bei jeder neuen Generation, dass die eine Marke die andere im Blick hat", sagt Butze. „Genau das ist gut für den Verbraucher. Konkurrenz belebt eben das Geschäft."
Dass zwei Marktführer ihre Innovationen auch juristisch schützen, gehört in einem solchen Milliardenmarkt dazu; zwischen Hurom und Kuvings gab es in jüngerer Zeit eine öffentlich dokumentierte patentrechtliche Auseinandersetzung mit Entscheidungen auf beiden Seiten. Im Vordergrund steht für den Käufer aber etwas anderes: der Fortschritt, der aus diesem Wettbewerb entsteht. Günstige Nachbauten, meist auf Basis älterer Technik, bleiben demgegenüber spür- und sichtbar zurück – schon bei einem Detail wie den Sieben, die bei den Originalen glatt geschnitten und dadurch leicht zu reinigen sind.
Ein Lifestyle-Produkt mit Mehrwert
Der Slow Juicer ist längst mehr als ein Küchengerät. Er ist zum Ausdruck eines bewussten Lebensstils geworden. Ein hochwertiges Modell auf der Arbeitsplatte signalisiert dasselbe wie eine gute Espressomaschine – hier legt jemand Wert auf Qualität und nimmt sich Zeit für die schönen, gesunden Dinge. Der Unterschied zu manch anderem Statusobjekt: Beim Slow Juicer steht ein konkreter Nutzen im Mittelpunkt. Frisch gepresste Säfte, jeden Morgen, aus selbst gewählten Zutaten – vom klassischen Karotten-Apfel-Ingwer bis zum grünen Saft mit Sellerie und Gurke.
Wer sich zum ersten Mal ein Gerät anschafft, steht allerdings vor einer größeren Auswahl als früher. Horizontal oder vertikal, klarster Saft oder schnellste Reinigung, kleiner oder großer Einfüllschacht – die richtige Wahl hängt davon ab, was hauptsächlich entsaftet werden soll und wie viel Reinigungsaufwand jemand in Kauf nimmt. „Wir beraten seit dreizehn Jahren zu genau diesen Fragen", sagt Butze. „Die gute Nachricht ist: Bei den beiden führenden Marken macht man technisch nichts falsch. Es ist eher wie bei Premium-Autos – am Ende entscheidet die Sympathie und das eigene Nutzungsprofil."
Der Gewinner steht fest: Der Verbraucher
Am Ende dieses jahrzehntelangen Innovationswettlaufs steht kein Verlierer, sondern ein klarer Gewinner: der Kunde. Zwei Hersteller, die sich seit Jahren gegenseitig übertreffen wollen, haben den frisch gepressten Saft aus der Reformhaus-Nische in die Mitte der Gesellschaft geholt – leiser, komfortabler, vielseitiger und mit einer Saftqualität, die noch vor zehn Jahren undenkbar war.
Wer heute einen Slow Juicer in die Küche stellt – idealerweise ein Premium-Gerät aus koreanischer Fertigung –, presst geschmackvollere Säfte als je zuvor und behält dabei möglichst viel von dem, was Anhänger frischer Säfte an ihnen schätzen. Der Siegeszug des Slow Juicers ist damit vor allem eine gute Nachricht für alle, die etwas für sich und ihre Ernährung tun wollen. Und der nächste Innovationsschritt, so viel ist sicher, lässt in diesem Markt selten lange auf sich warten.
Fachliche Beratung und Marktkenntnis: Marko Butze, GrünePerlen – autorisierter Fachhändler für Slow Juicer seit 2013.
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