Antisemitisch denken zwar immer weniger Deutsche – doch die Zahl der Menschen mit Vorbehalten gegenüber Juden ist noch beträchtlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Soziologen Reinhard Wittenberg und Manuela Schmidt von der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie hatten für ihre Arbeit zwei Studien aus den Jahren 1994 und 2002 miteinander verglichen. Danach ging in diesem Zeitraum der Prozentsatz derjenigen, die Juden „lieber nicht als Nachbarn haben wollen” von 23 auf 18,4 Prozent zurück. Der Anteil der Befragten, die meinten, „Juden fordern durch ihr Verhalten Feindseligkeiten in unserem Land heraus”, reduzierte sich von 8,0 auf 6,4 Prozent. Und während 1994 noch 9,0 Prozent der Deutschen es für möglich hielten, dass der Holocaust nicht stattgefunden hat, waren es 2002 nur noch 1,9 Prozent.
Die Wissenschaftler halten es allerdings für bedenklich, dass der Anteil der Menschen, die meinen, Juden würden den Holocaust instrumentalisieren, von 48,3 auf 63,7 Prozent gestiegen ist. Insgesamt gehen die Forscher von etwa 11,3 Prozent Antisemiten in Deutschland aus, wobei der Unterschied zwischen Ost und West bemerkenswert ist: Obwohl sich das Meinungsklima seit 1994 angenähert hat, lag 2002 der Anteil von Antisemiten im Osten bei 7,0, im Westen dagegen bei 14,2 Prozent.
Hans Groth




