Rund drei Dutzend Häuser und Höfe auf dem flachen Land, umgeben von Äckern und Straßen: Der Weiler Storkwitz, rund ein Kilometer außerhalb der Stadt Delitzsch im Norden von Sachsen, wirkt nicht sehr verlockend. Doch unter dem Ort schlummert ein Schatz: Vermutlich rund 40 000 Tonnen chemischer Verbindungen von Seltenen Erden stecken in einer Erzlagerstätte, die mehrere Hundert Meter weit in die Tiefe reicht.
Entdeckt wurde das unterirdische Rohstoff-Depot bereits in den 1970er-Jahren, als Bohrtrupps der DDR die Region nach Uran absuchten. Da die Bergbauingenieure kein Uran fanden, zogen sie unverrichteter Dinge weiter – für Seltene Erden hatte die ostdeutsche Industrie damals keine Verwendung.
Das ist heute anders. Wie in vielen anderen Ländern suchen Geophysiker auch in Deutschland nach Vorkommen der kostbaren Metalle. Für das Erzlager nordwestlich von Delitzsch hat die Deutsche Rohstoff AG aus Heidelberg seit 2007 eine Erkundungslizenz. Im Frühsommer 2012 begannen Mitarbeiter des Unternehmens damit, Umfang und Struktur des „Schatzes von Storkwitz” noch einmal zu untersuchen – nach aktuellen europäischen Richtlinien. Bis Ende des Jahres sollen die Resultate der Probebohrungen vorliegen.
Ob danach mit dem Abbau der Seltenen Erd-Metalle begonnen wird, ist allerdings offen. Denn die Verhältnisse in der nordsächsischen Lagerstätte sind schwierig: Die Erzadern ziehen sich sehr weit hinab und der Anteil der Elemente Cer, Europium, Lanthan, Neodym, Praseodym und Yttrium am Gestein ist mit insgesamt rund einem halben Prozent vergleichsweise gering. Aber wenn das derzeitige Hauptförderland China das Angebot der wichtigen Rohstoffe weiterhin künstlich verknappt, könnte sich ein Abbau dennoch lohnen.




