„Hast du nicht Lust auf ein paar Partien Schach? Ich habe noch eine Flasche 1997er Chateauneuf du Pape im Keller, der können wir dabei den Hals brechen”, hatte mein Nachbar Edmund gesagt, als er mich letzten Samstagnachmittag anrief. Meine Frau war mit den Kindern zu ihren Eltern gefahren, deshalb nahm ich die Einladung gerne an. Leider hatte Edmund in seinem Weinkeller nicht nur eine Flasche vom Jahrgang 1997, sondern auch noch je eine der Jahrgänge 1998 und 1999, die wir unbedingt trinken mussten. Anderthalb Flaschen Rotwein und ein Berg von Käsehäppchen im Magen ließen mich schlecht schlafen und wirr träumen. Ich war ein armer Bauer und stand im Kittel und mit Holzschuhen am Rand eines riesigen Schachbretts. Nur noch die weiße und die schwarze Königin waren auf dem Brett und keiften sich mit Wörtern an, die ich vom Hochadel nicht erwartet hätte. Sie liefen einem Ritter hinterher, der in einer roten Rüstung steckte und mit einem riesigen Schlachtross, das fast vollständig von einer roten Schabracke bedeckt war, über das Schachbrett ritt. Als der Ritter an den Rand des Bretts kam, sprach ich ihn an. „Herr Ritter, erlaubt mir eine Frage: Wo sind die beiden Könige geblieben? Ich glaubte immer, ohne sie dürfte niemand auf dem Brett sein.” Der rote Ritter funkelte mich böse an und knurrte: „Könige sind langsam und schwächlich und kommen mit jedem Zug nur ein Feld voran. Man kann gut auf sie verzichten. Und nun störe uns nicht weiter. Wir haben ein wichtiges Problem zu lösen.” Dann befahl er mit herrischer Stimme: „Meine Damen, bitte nehmt Eure Plätze ein!” Schimpfend stellten sich die beiden Königinnen auf Felder in der Nähe des roten Ritters. Der Ritter beugte sich zu mir herunter und sagte leise: „Wenn man nicht aufpasst, tanzen die Frauen einem auf der Nase herum. Deshalb dürfen sie nur auf Feldern stehen, die ich mit einem Sprung erreichen kann. Und da sie sich am liebsten die Augen auskratzen würden, müssen sie sich so aufstellen, dass sie sich nicht bedrohen.” Ich nickte verständnisvoll und fragte ihn: „Was ist denn Eurer wichtiges Problem, Herr Ritter, wenn ich fragen darf?” „Wir versuchen herauszufinden, wie viele verschiedene Stellungen es für uns drei auf dem Schachbrett gibt, die diese Bedingungen erfüllen.” „Und wie viele sind es?”, fragte ich. „Das weiß ich nicht, denn deinetwegen habe ich mich verzählt.” Wütend fuchtelte er mit seinem Schwert herum, und die beiden Königinnen begannen zu kreischen. In diesem Moment wurde ich wach, und das Kreischen der Königinnen ging in das Klingeln meines Weckers über. Wissen Sie, wie viele verschiedene Stellungen ein Springer und zwei Damen einnehmen können, sodass der Springer beide Damen bedroht, diese sich aber nicht gegenseitig angreifen? Stellungen, die durch Drehungen oder Spiegelungen des Brettes oder durch Vertauschen der beiden Damen ineinander übergehen, zählen dabei als verschieden.
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Januar 2010 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 1|10″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im April-Heft 2010 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.
Zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden ein Hauptgewinn und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinn ist das Diadem 3,6 x 12 von Zeiss (www.zeiss.de). Das leichte und lichtstarke Fernglas eignet sich bestens für unterwegs. Kulturelle Events holen Sie damit nah heran, selbst wenn Sie nicht in der ersten Reihe sitzen. Und mit dem eleganten Design können Sie sich auch in der Oper sehen lassen. Buchpreis ist „Welt der Bakterien” von Gerhard Gottschalk. In 30 kurzweiligen, reich bebilderten Kapiteln stellt der emeritierte Mikrobiologie-Professor der Universität Göttingen „die unsichtbaren Beherrscher unseres Planeten” vor. Es geht um die Geißeln der Menschheit und um die faszinierenden Fähigkeiten der Bakterien, die für Biotechnologie, Klima und Umweltschutz nutzbar gemacht werden können. Und es geht um den Ursprung des Lebens, um Einblicke in die Wissenschaftsgeschichte sowie um Bakteriengrippe und Bakteriensex (www.wiley-vch.de).





