von Andrea Stegemann
Laut der Archäologen Regina und Andreas Ströbl von der Forschungsstelle Gruft in Lübeck, die auch bei der Gruftöffnung in Jever beteiligt waren, sind gerade Grüfte von ehemals regierenden Familien ein interessantes Forschungsfeld, auch aus rechtsmedizinischer Sicht. Ein Beispiel ist der Fall des Prinzen Adolf aus der Schleswiger Fürstengruft der Herzöge zu Schleswig-Holstein-Gottorf. Im Schleswiger Dom befindet sich die untere Fürstengruft mit insgesamt 31 Särgen. Die Bestattungen erfolgten von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis ins frühe 18. Jahrhundert. In einem der Särge liegt Adolf Prinz von Schleswig-Holstein-Gottorf. Er wurde als zweiter Sohn des regierenden Herzoges Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf und seiner Frau Augusta von Dänemark am 05.09.1600 geboren.

Die gut erhaltene Mumievon Prinz Adolf im Nadelholzsarg. — © Forschungsstelle Gruft
Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und Prinz Adolf führte ein kurzes, aber abenteuerliches Leben. Obwohl selbst aus protestantischem Haus, trat er in kaiserliche Dienste und kämpfte auf der Seite der katholischen Liga unter Tilly und Wallenstein als Anführer eines Reiterregiments gegen die Protestanten. Als er gegen den König von Dänemark und Norwegen Christian IV., einen Bruder seiner Mutter, zog, strich ihm sein älterer Bruder, Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf die finanzielle Zuwendung (Apanage) der Familie.
Sein Ende fand Prinz Adolf im September 1631. Als er sein Regiment in der Schlacht bei Breitenfeld nahe Leipzig gegen die Truppen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf, seinem Cousin väterlicherseits, führte, traf ihn einer historischen Quelle zufolge ein Schuss in den Oberschenkel. Zwei Tage später starb er im 30 Kilometer entfernen Eilenburg. Der Ort liegt zwischen dem Schlachtfeld und dem Schloss Lichtenburg, wo eine Tante von ihm lebte. Vermutlich schaffte er den Weg dorthin nicht mehr, und so konnte nur noch sein Leichnam in das Schloss überführt werden. Dort holte ihn sein jüngster Bruder ab und brachte ihn nach Hause, wo er in der Gottorpischen Fürstengruft beigesetzt wurde.







