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Frühmenschen nutzten Feuer schon vor 1,7 Millionen Jahren
Archäologie

Frühmenschen nutzten Feuer schon vor 1,7 Millionen Jahren

Schon vor mehr als einer Million Jahren transportierten Frühmenschen Glut in eine Höhle und entfachten damit Feuer. · Foto: © JellisV/ iStock

Schon vor gut 1,7 Millionen Jahren könnten Frühmenschen gelernt haben, Feuer zu ihren Zwecken zu nutzen. Sie transportierten Glut von natürlichen Bränden in eine Höhle und entfachten und unterhielten dort wiederholt Feuer, wie neue Analysen von Funden aus der südafrikanischen Wonderwerk-Höhle belegen. Sie gehören damit zu den frühesten Belegen für eine Feuernutzung durch unsere Vorfahren.
Autor
Nadja Podbregar
17. Juni 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Archäologie

Als die ersten Frühmenschen lernten, das Feuer zu nutzen, war dies ein wichtiger Schritt in der Menschheitsgeschichte. Denn die Flammen lieferten Licht und Wärme, hielten wilde Tiere fern und ermöglichten das Garen von Speisen. Das wiederum verbesserte die Nährstoffversorgung und förderte das Gehirnwachstum. „Das Feuer war, wie die Steinwerkzeuge, eine entscheidende Innovation, die die frühen Menschen unabhängiger machte und es ihnen ermöglichte, Schlüsselfaktoren ihrer natürlichen und kulturellen Umwelt zu modifizieren“, erklären Dolores Marin-Monfort von der Nationaluniversität des Südens in Argentinien und ihre Kollegen.

Wonderwerk Höhle

Eingang der Wonderwerk-Höhle in Südafrika. In ihr haben Archäologen Steinwerkzeuge und Spuren früher Feuer entdeckt. — © Wonderwerk Cave Project

Doch wann entdeckten die ersten Frühmenschen das Feuer für sich? Diese Frage ist bislang strittig.
So legen Funde im Nahen Osten und in Ostafrika zwar nahe, dass Angehörige der Gattung Homo schon vor rund einer Million Jahren natürliche Brände für ihre Zwecke nutzten. Allerdings handelte es sich dabei um natürlich entstandenes Feuer. Inwieweit diese Frühmenschen damals fähig waren, solche Flammen und Glut gezielt zu schüren und möglicherweise auch zu transportieren, ließ sich aber nur schwer eindeutig bestimmen.

Prähistorische Brandspuren im Inneren einer Höhle

Neue, klarere Belege für eine urzeitlichen Feuernutzung liefern nun Funde aus der Wonderwerk-Höhle in der südafrikanischen Kalahari. Dort hatten Archäologen schon im Jahr 2012 rund eine Million Jahre alte Faustkeile des Homo erectus sowie Reste verbrannter Knochen entdeckt. Diese Brandspuren fanden sich rund 30 Meter vom Höhleneingang entfernt. Das legte nahe, dass dieses Feuer nicht auf natürlichem Wege so weit in die Höhle gelangt sein konnte. Allerdings blieb gerade bei den ältesten Proben strittig, ob die Knochenreste nur verfärbt oder wirklich verbrannt waren.

Diese Frage haben Marin-Monfort und ihr Team nun geklärt. Sie nutzten zwei moderne Methoden, die Fourier-Transform-Infrarotspektrometrie (FTIR) und eine von ihnen neu entwickelte Form der Lumineszenzanalyse, um die Funde aus der Wonderwerk-Höhle zu überprüfen. Bei der Lumineszenzanalyse werden die prähistorischen Knochenstückchen mit blauem und ultraviolettem Licht bestrahlt. Waren sie einst großer Hitze ausgesetzt wie in einem Feuer, erzeugt dies ein spezielles Nachleuchten im langwelligen roten Bereich, wie das Team erklärt.

Für ihre Studie analysierten die Forschenden gut 150 Knochenstückchen aus zwei unterschiedlich alten Fundschichten der Wonderwerk-Höhle.

Lumineszenzanalyse

Nach Bestrahlung mit UV-Licht erzeugt nur das verbrannte Knochenstück ein rötliches Nachleuchten, wie hier mithilfe eines speziellen Filters sichtbar. — © M. Dolores Marin-Monfort et al./ PLOS one, CC-by 4.0

Feuerstellen schon vor 1,79 Millionen Jahren

Die Analysen bestätigten: Schon vor mehr als einer Million Jahren brannten in dieser südafrikanischen Höhle regelmäßig kleine Feuer. Proben aus zwei Fundschichten und mehreren Fundstellen innerhalb der Höhe wiesen klare Brandspuren und Indizien für starke Hitzeeinwirkung auf. „Die verbrannten Fossilien aus den frühen Acheuléen-Fundschichten liefern starke Belege für wiederholte, räumlich verteilte Brandereignisse tief im Inneren der Wonderwerk-Höhle“, schreiben Marin-Monfort und ihre Kollegen.

Die ältesten Belege für solche Feuerstellen in der Höhle sind bereits bis zu 1,79 Millionen Jahre alt. „Damit verschieben unsere Resultate das Vorkommen von mit Frühmenschen assoziierten Feuern weiter zurück in die Vergangenheit“, berichten die Forschenden. Der Homo erectus könnte demnach in Südafrika schon früh gelernt haben, die Glut natürlicher Brände zu erhalten und zu transportieren als bisher angenommen. Zwar konnten diese Frühmenschen das Feuer noch nicht selbst entzünden, sie hatten aber gelernt, es gezielt zu erhalten.

„Keine rein passiven Nutznießer“

„Diese Frühmenschen waren keine rein passiven Nutznießer natürlicher Feuer: Sie brachten das Feuer in ihre Höhle und unterhielten es dort so lange, bis es irgendwann ausbrannte“, erklärt das Team. „Sie gingen aktiv mit dem Feuer um und integrierten es in ihr Alltagsleben.“ Als Brennstoff für diese Höhlen-Feuerstellen dienten wahrscheinlich Eulengewölle, die den Höhlenboden bedeckten. Die darin enthaltenen Reste von Haaren, Federn und Knochen der Eulen-Beutetiere machten diese Gewölle brennbar.

Wozu die Vertreter des Homo erectus damals ihre Höhlenfeuer nutzten, ist jedoch unklar. Da eindeutige Nahrungsreste an den Feuerstellen fehlen, halten es die Archäologen für unwahrscheinlich, dass die Frühmenschen schon mit diesen Feuern kochten. Sie könnten die Flammen aber für als Licht- und Wärmequelle genutzt haben.

Nach Ansicht von Marin-Monfort und ihren Kollegen könnte die von ihnen eingesetzte Methodik in Zukunft auch für die Überprüfung anderer mutmaßlicher prähistorischer Feuerstellen eingesetzt werden. „Dieser kombinierte Ansatz macht den Nachweis früher Feuernutzung präziser und eröffnet neuen Wege, um die Entwicklung von Feuertechnik in der tiefen Vergangenheit zu untersuchen“, schreibt das Team.

Quelle: M. Dolores Marin-Monfort (Universidad Nacional del Sur, Bahía Blanca, Argentinien) et al., PLOS One, 2026; doi: 10.1371/journal.pone.0347480

FeuernutzungFrühgeschichteFrühmenschHomo erectus

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