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Mammutfund erweist sich als steinzeitliches Cold Case
Archäologie

Mammutfund erweist sich als steinzeitliches Cold Case

Dieser Stoßzahn stammt von einem in der Nähe von Regensburg entdeckten Mammutskelett. · Foto: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Cold Case: Ein bei Regensburg entdecktes Mammutskelett hat sich als wichtiges Zeugnis der menschlichen Frühgeschichte entpuppt. Denn Schnittspuren an den Rippen dieses rund 25.000 Jahre alten Mammutfossils belegen, dass das Tier einst von Menschen bearbeitet, vielleicht auch geschlachtet wurde. Demnach müssen sich Menschen selbst während der kältesten Phase der letzten Eiszeit in diese Region nördlich der Alpen vorgewagt haben. Es ist der jüngste Nachweis menschlicher Präsenz, bevor die Eiszeit Mitteleuropa nahezu unbewohnbar machte.
Autor
Redaktion
08. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Archäologie

Als die letzte Eiszeit vor rund 23.000 Jahren ihr Kältemaximum erreichte, rückten nicht nur die Gletscher bis weit nach Mitteleuropa vor. Die gesamte Region nördlich der Alpen wurde so kalt und unwirtlich, dass Menschen dort nicht mehr überleben konnten. Die steinzeitlichen Jäger und Sammler dieser Zeit zogen sich daher schon zu Beginn des Eiszeit-Höhepunkts in Gebiete südlich der Alpen und nach Südosteuropa zurück.

„Bisher schienen archäologische Befunde darauf hinzudeuten, dass es in der Zeit vor 25.000 bis 23.500 Jahren keine menschliche Präsenz mehr im süddeutschen Raum nördlich der Alpen gab“, berichten Kerstin Pasda von der Universität Erlangen-Nürnberg und ihre Kollegen.

Mammutrippe
Bergung einer Rippe des vor rund 27.000 bis 25.000 Jahren gestorbenen Mammuts. © Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Ein Mammutfund bei Regensburg

Doch jetzt könnten die Paläontologen Spuren der möglicherweise letzten Steinzeitmenschen gefunden haben, die sich vor dem Kältemaximum noch nach Mitteleuropa vorwagten. Indizien dafür lieferte ein 2020 bei Bauarbeiten im Ort Taimering in der Nähe von Regensburg entdecktes Mammutskelett. Die 72 gut erhaltenen Knochen und ein fast 2,50 Meter langer Stoßzahn stammen von einem noch nicht ganz ausgewachsenen Wollhaarmammut, das aber bereits drei Meter Schulterhöhe erreichte.

„Stoßzahn und Knochen des Mammuts waren aufgrund ihrer jahrtausendelangen Konservierung im Feuchtbodenmilieu außergewöhnlich gut erhalten“, sagt Co-Autor Christoph Steinmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Nach seiner Bergung wurde der rund 25.000 Jahre alte Fund an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) präpariert. Schon bei der ersten Untersuchung fielen Ritzspuren und Einkerbungen an einigen Knochen auf. Um zu überprüfen, woher diese Kerben kommen, haben Pasda und ihre Kollegen die Mammutknochen einer genaueren Analyse unterzogen.

Schnittspuren
Parallele Schnittspuren auf einer Rippe des Mammuts zeugen von menschlicher Bearbeitung. © Kreisarchäologie Landshut/ BLfD

Mammutrippe als Schneidebrett

Dabei zeigte sich: Diese Riefen und Kerben in den Mammutknochen entstanden weder bei der Ausgrabung noch durch natürliche Ursachen. Stattdessen deuten Form und Positionen der Kerben auf menschliche Einwirkung hin. „Die scharfen Ränder und mehr oder weniger parallelen Einschnitte auf den Knochen ähneln menschengemachten Schnittspuren“, berichtet das Team. Dafür sprächen auch die leichten Unterschiede im Schnittwinkel bei parallelen Kerben. „Dies deutet darauf hin, dass hier ein Werkzeug mehrfach dicht nebeneinander angesetzt wurde“, so die Forschenden.

Auffallend auch: Die Schnittspuren zeigten sich nicht an allen Knochen des Mammuts, sondern nur an seinen Rippenknochen. „Dort liegen die Schnitte nur im Korpus der Knochen, nicht an deren Enden“, berichten Pasda und ihre Kollegen. Ein solches Muster kann auftreten, wenn Haut und Muskelfleisch von den Rippen abgetrennt werden. Eine der Rippen scheint sogar als Schneidunterlage gedient zu haben, wie ungewöhnlich viele, dicht beieinander gelegene Schnittspuren nahelegen.

Nach Ansicht der Paläontologen belegen diese Bearbeitungsspuren eindeutig, dass sich Steinzeitmenschen vor rund 25.000 Jahren am Kadaver des Mammuts zu schaffen gemacht haben. Ob diese Menschen das Mammut auch selbst jagten und töteten oder ob sie nur seine Überreste nutzten, ist jedoch ungeklärt – auch weil bisher keinerlei Werkzeuge dieser steinzeitlichen Jäger und Sammler vor Ort gefunden wurden.

„In vielerlei Hinsicht eine kleine Sensation“

„Unser Fund ist in vielerlei Hinsicht eine kleine Sensation“, sagt Co-Autorin Gertrude Rößner von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. „Zum einen sind Skelettfunde von Mammuten in unseren Breiten äußerst selten. Wir kennen Funde hauptsächlich aus weiter östlich gelegenen Regionen Eurasiens.“

Zum anderen aber stammen die Schnittspuren aus einer Zeit, in der Süddeutschland eigentlich schon als menschenleer galt. „Aus dieser Hochphase der Kaltzeit gibt nahezu keine Nachweise menschlicher Aktivität aus dieser Region“, erklären die Forschenden. „Die Entdeckung des rund 27.000 bis 25.000 Jahre alten Mammuts mit anthropogenen Bearbeitungsspuren ist daher bedeutsam, weil es den bisher jüngsten Beleg für eine Besiedlung Bayerns im späten Gravettien darstellt.“

Quelle: Kerstin Pasda (Universität Erlangen-Nürnberg) et al., Journal of Archaeological Science: Report, 2026; doi: 10.1016/j.jasrep.2026.105839

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