In der Mitte des Platzes stand eine steinerne Ruine. Als mein Blick darauf ruhte, sagte plötzlich jemand hinter mir auf Englisch: „Das sind die Reste des Mondturms. Über tausend Jahre wachte er über diesen Platz, bis er bei dem großen Erdbeben von 1935 einstürzte. Seitdem fehlt es immer an Geld, um ihn wiederaufzubauen.“ Ich drehte mich um. Hinter mir stand der Wirt. „Warum heißt er Mondturm?“, fragte ich ihn. Der Wirt setzte sich an meinen Tisch und erklärte: „Wie man noch heute sehen kann, hatte der Turm einen quadratischen Querschnitt und war aus hellem Sandstein gebaut. In jede seiner Seiten war im oberen Viertel aus schwarzem Stein ein Rechteck eingelassen. Auf einem dieser schwarzen Rechtecke war ein Kreis aus vergoldetem Kupferblech befestigt und auf zwei anderen Rechtecken jeweils ein Halbkreis. Das letzte schwarze Rechteck hingegen war leer. Den Menschen unserer Stadt galten die Goldbleche von jeher als Bilder des Vollmondes und des zu- und des abnehmenden Mondes, und das fehlende Blech war für sie ein Bild des Neumondes. Ob die Erbauer des Turmes dies wirklich so gemeint hatten, ist unbekannt.“ Ein Junge brachte uns zwei Gläser Tee. „Ich lade Sie ein“, sagte der Wirt. „Wenn Sie die Geduld haben, ein paar Minuten zu warten, zeige ich Ihnen etwas.“ Er verschwand in der Bar.
Nach einer Viertelstunde kehrte er zurück und legte ein Heft auf den Tisch. Es war alt und voller Eselsohren. „Um 1920, als Belutschistan noch zum Britischen Empire gehörte, untersuchte und vermaß der englische Oberst Dashiell Fogg den Mondturm. Er macht auch einige Fotografien davon und veröffentlichte seine Ergebnisse in einem dünnen Heft. Dies hier ist wahrscheinlich eines der letzten Exemplare, die es davon noch gibt.“ Ich blätterte das Heft durch. Wenn man in der westlichen Welt das Bild eines Halbmondes sieht, steht in der Regel seine gerade Seite senkrecht und die gewölbte zeigt nach links oder rechts. Beim Mondturm war es anders. Auf den Schwarz-Weiß-Fotos in Foggs Heft konnte ich sehen, dass die Halbmonde auf dem Rücken lagen und die geraden Seiten schräg verliefen.
„Wie groß waren eigentlich die Mondbilder?“, fragte ich den Wirt. Der zuckte mit den Schultern und blätterte in dem Heft einige Seiten zurück. „Hier stehen ein paar Zahlen“, sagte er und zeigte auf das Foto vom abnehmenden Halbmond. Auf dem Bild berührte die gewölbte Seite des Mondes die linke und untere Seite des Rechtecks, und seine beiden Ecken stießen an die obere und rechte Seite. Am Rand stand, dass die obere Mondecke einen Fuß von der linken oberen Ecke des Rechtecks und die untere Mondecke zwei Fuß von der unteren rechten Ecke des Rechtecks entfernt war. „Mit diesen Angaben kann ich nicht viel anfangen“, meinte ich. Der Wirt sah das genauso.







