statt aggressivität und Kränklichkeit des Mannes zu beklagen, plaudert der Genetiker Steve Jones aus dem Nähkästchen der Natur und erklärt, was den Mann zum Mann macht und wie das Mannsein bei verschiedenen Tieren realisiert wird. Anders als der deutsche Titel suggeriert, hält der Autor den Mann keineswegs für einen Irrtum der Natur. Schließlich war das Konzept von Männlein (mit X- und Y-Chromosom) und Weiblein (mit zwei X-Chromosomen) Jahrmillionen sehr erfolgreich.
Allerdings haben die Männer den schwarzen Peter gezogen: Während Frauen ein X-Chromosom von Vater und Mutter erhalten, müssen Männer mit nur einem X- (Mutter) und einem Y-Chromosom (Vater) auskommen. Das Y-Chromosom profitiert nicht vom Vorteil der sexuellen Vermehrung, der Korrektur von Fehlern. Es wird von Generation zu Generation vom Vater auf den Sohn übertragen dabei häufen sich die Mutationen und der Datenmüll. Inzwischen gibt es nur noch rund 70 funktionale Genabschnitte auf dem kleinen Y-Chromosom, ein Zehntel so viele wie auf dem X-Chromosom. Als Folgen nennt Jones: Mehr Männer leiden an erblichen Defekten, und sie sind empfindlicher über die ganze Lebensspanne. Für ihre Fortpflanzungsfähigkeit müssen sie bezahlen: Das Männlichkeitshormon Testosteron schwächt das Immunsystem Kastraten leben mehrere Jahre länger. Der Autor springt zwar immer wieder hin und her vom Verhalten der Stichlinge zu den Hoden der Primaten, von der Beschneidung zu der Psychologie von Samenspendern , doch dabei bleibt er stets spannend am Thema Mann.
Antonia Rötger




