Nur zweieinhalb Zentimeter groß ist die Figur aus Mammutelfenbein, die ein Grabungsteam unter der Leitung des Tübinger Urgeschichtlers Nicholas Conard in den Sedimenten der Hohle-Fels-Höhle entdeckt hat – und doch verdient sie das Prädikat „sensationell”. Nicht nur, weil die Darstellung eines Mensch-Tier-Mischwesens mit Löwenkopf zwischen 31000 und 33000 Jahren alt ist und damit weltweit zu den ältesten Beispielen für figürliche Kunst zählt. Es ist bereits das zweite Exemplar einer solchen Löwenmenschen-Statuette aus dieser Epoche, die auf der Schwäbischen Alb ans Licht kam: Indiz für eine Kultgemeinschaft unter den Menschen der Aurignacien-Zeit in Mitteleuropa. Sie waren vor zirka 38000 Jahren ins damals noch von Neandertalern besiedelte Europa eingewandert, vermutlich aus dem Nahen Osten.
Die Hohle-Fels-Höhle liegt in einem Felshang nahe Schelklingen, im südwestlich von Ulm gelegenen Ach-Tal. 40 Kilometer Luftlinie entfernt, in der Hohlenstein-Stadel-Höhle im Lone-Tal, stießen Forscher schon vor Jahrzehnten auf die 30 Zentimeter große erste Statue eines Löwenmenschen. Nicholas Conard: „Die jetzt gefundene Figur und ihre Vorgängerin weisen frappierende Gemeinsamkeiten auf. Die Bewohner der beiden Täler haben anscheinend derselben kulturellen Gruppe angehört – mit Glaubensvorstellungen und religiösen Praktiken, in denen Mischwesen aus Raubkatze und Mensch eine Rolle spielten.”
Hans Groth




