Krebs – eine Biografie
577 Seiten über Krebs! Will man so etwas wirklich lesen? Nach den ersten 10 Seiten ist klar: Man will. Das Epos über die Krankheit, vor der wir uns alle fürchten ist gleichzeitig Weltgeschichte und Krankenhausdrama, Forschungskrimi und persönliche Reflexion. Gespickt mit erhellenden Anekdoten wie dieser: In den frühen 1950er Jahren wurde die Anzeige einer Selbsthilfegruppe von der New York Times abgelehnt, weil darin die Worte Brust und Krebs erschienen. Wie wäre es mit Krankheit der Brustkastenwand, schlug ein Redakteur vor.
Mukherjee ist Krebsforscher in New York. Für seinen Erstling, der gleich mit einem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, hat er Privatarchive durchstöbert und verschollene Patienten experimenteller Therapien gesucht. Es ist weniger eine Beschreibung der Vorgänge im Körper als eine Geschichte der Menschen, die mit Krebs konfrontiert sind: Patienten, Angehörige, Forscher, Geldgeber, Politiker. Nicht immer wird dabei das Gute im Mensch geweckt: zum Beispiel, wenn ein Interessenkonflikt zwischen Chirurgen aufbricht, die lieber schneiden, und Onkologen, die Chemotherapien vorziehen. Das Buch, so Mukherjee, sei das Resultat eines Gesprächs mit einer Patientin, die sagte: Ich bin bereit zu kämpfen, aber ich muss wissen, womit ich es zu tun habe. Jetzt kann sie es nachlesen.
Reto Schneider





