Vor ein paar Tagen saßen wir wieder einmal in der freitäglichen Besprechung. Die Sonne schien, das Wochenende stand vor der Tür, und unser Chef und selbst die Wiederkäuer hatten sich kurzgefasst. „Geschafft!“, dachte ich. Aber ich hatte mich zu früh gefreut. Harald meldete sich noch. Er hatte letzten Dienstag eine Besprechung mit einem Kunden und gab nun jedem von uns ein DIN-A4-Blatt mit der Tagesordnung davon. Dann plätscherten seine Sätze monoton und ermüdend durch den Raum. Die Minuten fühlten sich wie Stunden an. Gloria, die neben mir saß, fiel es sichtlich schwer, ihre Augen offen zu halten. Sie schaute zwar auf das Blatt mit der Tagesordnung, schien es aber gar nicht wahrzunehmen, denn ihr Blick verlor sich im Unendlichen. Ihr Verstand lief nur auf Sparflamme.
Gloria schaffte es gerade noch, ihre Finger mit dem Blatt, das hochkant vor ihr auf dem Tisch lag, spielen zu lassen. Vermutlich völlig unbewusst faltete sie es so, dass der Knick durch die untere rechte Ecke lief und die untere linke Ecke genau auf die rechte Seite fiel. Dann strich sie mehrmals mit dem Daumennagel kräftig über den Falz. Anschließend klappte sie das dreieckige Stück um, sodass es nun auf der Rückseite des Blattes lag und strich wieder mit dem Daumennagel über den Falz. Jetzt konnte sie das Blatt mühelos entlang des Knicks in zwei Teile zerreißen. Sie legte das größere, trapezförmige Stück beiseite. Das kleinere zweite Stück war ein rechtwinkliges, gleichschenkliges Dreieck. Sie faltete es so, dass die untere spitzwinklige Ecke genau auf die rechtwinklige fiel, strich einmal mit der Hand über den Falz und klappte es dann wieder auseinander. Nun faltete sie das Dreieck so, dass die obere spitzwinklige Ecke genau auf den Mittelpunkt der ihr gegenüberliegenden Seite fiel. Diesen Punkt hatte sie durch ihre vorherige Faltung gefunden. Auch diesmal klappte sie das Blatt wieder auseinander und starrte es lange Zeit an. Ihr Blick wurde dabei immer klarer, und man sah ihr an, dass ihr Verstand hochfuhr und zu arbeiten begann.
„Na“, raunte ich Gloria zu. „Worüber denkst du nach?“ Sie schob mir ihr Papierdreieck zu und flüsterte: „Ich frage mich, wie lang der letzte Knick ist, den ich in das Blatt gefaltet habe.“ Ich verdrehte die Augen. Diese Frage hätte ich mir nie gestellt und eine Antwort darauf niemals gefunden. Ich wollte nur wissen, wie lange ich noch auf mein Feierabendbier warten musste. Aber vielleicht können Sie ja Glorias Frage beantworten. Übrigens sind DIN-A4-Blätter 210 Millimeter breit und 297 Millimeter lang.








