Was nicht mehr gebraucht wurde, landete zu- sammen mit Stallmist in ausgedienten Brunnen, so auch der hölzerne Hirsch. Archäologen fanden ihn im feuchten Brunnenschacht einer „ Viereckschanze”, eines ländlichen Anwesens in Fellbach-Schmiden bei Stuttgart. Er wurde 127 v.Chr. aus Eichenholz geschnitzt, vermutlich als Teil eines Kultbilds. Warum das ausgedient hatte, weiß keiner. Für die Nachwelt ist der Brunnenfund ein Glücksfall, denn er belegt: „Das Ornamentale schwindet in der späten Latène-Zeit. Dafür stellten die Kelten Menschen und Tiere nun häufiger und realistischer dar”, erklärt Thomas Hoppe, „ vermutlich ein Einfluss der näher rückenden römischen Nachbarn.” Der Hirsch vereint das Keltische und das Hellenistische: „An den Nüstern sind bereits ansatzweise Muskeln zu erkennen, während die Augen noch die typisch keltische ovale Form haben.” 1980 tauchten überraschend im französischen Clermont-Ferrand sehr viel mehr Hirsche mit den „verrückt überlangen Ohren” auf, die aus der Zeit um 120 v.Chr. stammen. Hirschdarstellungen, ob aus Holz geschnitzt oder auf Keramikgefäße gemalt, waren damals offenbar in Mode.




