Bei besonders guter Versorgung bilden sie bekanntlich Polster am Körper aus: Die Fettzellen speichern bei Säugetieren überschüssige Energie und geben sie bei Bedarf wieder ab. Außerdem werden im Fettgewebe Hormone und Signalmoleküle gebildet, die mit dem Stoffwechsel und dem Hungergefühl zusammenhängen. In der Entwicklungsgeschichte des Menschen, die oft von Notzeiten geprägt war, besaß dieses System eine überlebenswichtige Funktion. Doch in der Überflussgesellschaft wird die Bildung von Fettgewebe oft zu einem Problem. Darüber hinaus sind Krankheiten wie Diabetes, Fettleber, Atherosklerose und bestimmte Formen der Fettleibigkeit mit Störungen der Signalübertragung verbunden.
Bisher nahm man an, dass die Informationsvermittlung hauptsächlich über Signalmoleküle abläuft: Hormone, die passiv im Blut transportiert werden, übermitteln Informationen zwischen dem Fettgewebe und dem Gehirn und sorgen für Regulationsprozesse. Allerdings war auch bereits bekannt, dass sich Nerven bis ins Fettgewebe erstrecken. Man nahm jedoch bisher an, dass es sich dabei nicht um die Kategorie der sogenannten sensorischen Neuronen handelt, die Daten an das Gehirn weiterleiten. Stattdessen wurde vermutetet, dass die Nerven im Fettgewebe nur zum sympathischen Nervensystem gehören. Dabei handelt es sich um einen Teil des autonomen Netzwerks, das in Zeiten von Stress und körperlicher Aktivität die Fettverbrennung ankurbelt.
Die Nerven des Fettgewebes im Visier
Die genaue Identität und Funktion der Nerven im Fettgewebe zu klären, war bisher allerdings schwierig. Denn die Methoden, mit denen Neuronen normalerweise untersucht werden, funktionieren nicht gut in den Tiefen des Fettgewebes, wo die Nerven schwer zu sehen oder zu stimulieren sind. Doch nun haben die Wissenschaftler um Li Ye vom Scripps Research Institute in San Diego zwei neue Untersuchungsverfahren eingesetzt und damit erste Einblicke gewonnen. Bei dem ersten handelt es sich um einen bildgebenden Ansatz namens HYBRiD. Dabei kommt eine raffinierte Kombination aus Substanzen zum Einsatz, die das Gewebe transparent machen, während bestimmte Strukturen erhalten bleiben. Mit dieser Methode konnte das Team bei Mäusen nun die Wege der Neuronen verfolgen, die sich durch das Fettgewebe schlängeln.
So konnten sie aufdecken, dass fast die Hälfte dieser Neuronen nicht mit dem sympathischen Nervensystem verbunden ist, sondern mit den sogenannten Spinalganglien. Deren Aufgabe ist die Weiterleitung von Informationen von sensorischen Neuronen aus der Peripherie an das zentrale Nervensystem und das Gehirn. Es gibt also offenbar sowohl sympathische als auch sensorische Neuronen im Fettgewebe. Um der Rolle der neu entdeckten Nervenversionen weiter auf die Spur zu kommen, wandte das Team anschließend eine zweite neue Technik an, die sie “retrograde vector optimized for organ tracing” (ROOT) nennen. Das Verfahren beruht auf der gezielten Zerstörung bestimmter Neuronen durch selektiv infizierende Viren. Auf diese Wiese schalteten die Forscher die sensorischen Neuronen im Fettgewebe von Mäusen aus und untersuchten anschließend die Wirkung.





