In der Nähe unseres Hauses wurde jahrzehntelang Kies abgebaut. Inzwischen ist aus der stillgelegten Grube ein See entstanden, der die Form eines Dreiecks hat und von einem Weg umsäumt wird. Zweimal pro Woche jogge ich auf diesem Weg um den See. Anfangs musste ich noch viele Pausen machen. Aber schließlich schaffte ich es in einem Stück und brauchte immer weniger Zeit für eine Runde. Ich träumte sogar schon von Sportabzeichen. Am letzten Freitag aber zerplatzten meine Träume.
An einer Ecke des Sees liegt ein Parkplatz, an dem ich immer starte. Als ich am Freitag dort ankam, war ich nicht der einzige Jogger. Eine Frau, die mindestens 15 Jahre älter war als ich, machte dort ihre Dehnübungen. Wir nickten uns zu und joggten gleichzeitig los. Ich lief im Uhrzeigersinn um den See, die Frau gegen den Uhrzeigersinn. Mein Ehrgeiz war geweckt, und ich rannte so schnell wie nie zuvor. Ich war davon überzeugt, als Erster wieder auf dem Parkplatz anzukommen. Genau in der Mitte der dem Parkplatz gegenüberliegenden Seite des Sees steht eine Bank. Als ich mich ihr näherte, kam mir die Frau entgegen, und wir passierten einander genau an der Bank. „Verflixt!“, dachte ich verärgert. „Sie ist genauso schnell wie ich.“ Doch es sollte noch schlimmer kommen. 400 Meter vor dem Ziel liegt ein mannshoher Findling neben dem Weg. Gleichzeitig mit der Frau, die offensichtlich noch eine zweite Runde um den See rannte, lief ich an ihm vorbei. Ich konnte mir nicht erklären, wie sie den Findling so schnell erreicht hatte.
Als ich meiner Frau von meinem ernüchternden Erlebnis erzählte und auf Trost hoffte, sagte sie nur: „Du hast einen Denkfehler gemacht. Der See ist ein rechtwinkliges Dreieck, und der Parkplatz liegt an der rechtwinkligen Ecke. Die Bank auf dem Mittelpunkt der Hypotenuse ist nicht einen halben Seeumfang vom Parkplatz entfernt, denn die beiden Katheten sind unterschiedlich lang.“ Meine Frau ist Mathematiklehrerin und liebt es, Alltagsgespräche mit Fachausdrücken zu garnieren. „Nachdem, was du mir erzählt hast, standen die Geschwindigkeit der Joggerin und deine im Verhältnis 13:11“, behauptete sie nach kurzem Nachdenken. „Wie kommst du denn darauf?“, fragte ich erstaunt. „Ich kenne die Seitenlängen des Sees, und ich kann Kopfrechnen“, sagte sie mit einem Schulterzucken.
Angenommen, die Joggerin und ich sind mit konstanten Geschwindigkeiten um den See gelaufen.
Wie viele Meter hat dann die Länge der Hypotenuse?
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