Er will alles andere sein als ein “mittelmäßiges Nachschlagewerk”, der neue “Brockhaus in 15 Bänden”, dessen erste Bände jetzt erschienen sind: schreibreformiert, reich bebildert, übersichtlich gestaltet. Vor allem aber, wie der Pressetext verspricht, mit zahlreichen neuen Stichwörtern auf den Stand der Zeit gebracht – darunter: “ABS”, “Creutzfeldt-Jakob-Krankheit”, “Globalisierung” oder “Fuzzylogik”.
Die Nagelprobe habe ich beim Stichwort “ABS” gemacht: Die Erklärung zum “Antiblockiersystem” fällt mit vier Zeilen sehr knapp aus. Was die Brockhaus-Redaktion offenbar nicht weiß: Auch Skifahrer benutzen häufig ein ABS (avalanche balloon system) – nämlich einen umgeschnallten Ballon, der sich aufbläst, wenn man in eine Lawine gerät.
In den als Neuerung angepriesenen sogenannten Infokästen zu Themen wie Angst, Architektur oder Automat sucht der Leser vergeblich vertiefende Informationen. Statt dessen findet er Bonmots, Zitate oder Anekdötchen.
Ausführlich zur Sache geht es nur in “Großartikeln”. Sechs stehen im ersten Band – über Alpen, Atom, Aufklärung, Auge, Banken und Barock. Darin serviert das “typische Familienlexikon” (Pressetext) allerdings eine Fülle unerklärter Begriffe und Zusammenhänge. Zum Beispiel beim Stichwort “Alpen”: Deckenbau, kristalline Zone, Flysch, Molasse. Wer nicht Geologie studiert hat, steht ratlos vor der geballten Fachsprache.
“Erstkäufer” will die Redaktion angeblich vor allem für das Lexikon begeistern. Die könnten leicht zu “Letztkäufern” werden.
DER BROCKHAUS IN 15 BÄNDEN Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus AG Mannheim 1997 Gesamtpreis 15 Bände: DM 720,-
Uta Altmann




