Manche Forscher kommen auf absonderliche Ideen: Sie versuchen, in Sirup zu schwimmen, schießen auf mit Kartoffelbrei gefüllte Schädel, bepinseln Gnus mit gelber Farbe, schleppen 40 nackte Frauen mittels einer Seilwinde durchs Wasser oder flößen Studenten gefärbten Weißwein ein. Vor dem Nobelpreis- Komitee landen sie mit derlei Aktivitäten zwar kaum, umso wahrscheinlicher jedoch in Reto U. Schneiders Sammlung verrückter Experimente. Schon der erste Band des Schweizer Wissenschaftsjournalisten war ein Besteller und wurde zudem von bild der wissenschaft als „Wissenschaftsbuch des Jahres 2005″ ausgezeichnet. Auch der Nachfolger bietet reichlich Gelegenheit, sich über verquere Versuchsanordnungen und verdrehte Gedankengänge ganz prächtig zu amüsieren.
Wer freilich nur bestätigt haben möchte, auf welch spinnerte Ideen die Forscher in den letzten 400 Jahren gekommen sind, denkt zu kurz. Schneiders Sammlung dokumentiert, dass Fantasie nötig ist, um mit ungewöhnlichen Methoden ungewöhnliche Ergebnisse zu erzielen. Und auch Mut, die Möglichkeit des Scheiterns und der Lächerlichkeit um der Erkenntnis willen auf sich zu nehmen. Manche der chronologisch sortierten Versuche erweisen sich im Nachhinein als Holzwege, Lachnummern oder Rohrkrepierer. Die Mehrzahl der Experimente belegt freilich, dass sich Courage und Wissensdurst ausgezahlt haben. Für den Leser ergibt sich der willkommene Nebeneffekt, dass die Lektüre nicht nur lehrreich ist, sondern auch kräftig schmunzeln lässt. Hans Schmidt
Reto U. Schneider DAS NEUE BUCH DER VERRÜCKTEN EXPERIMENTE C. Bertelsmann, München 2009 301 S., € 19,95 ISBN 3–570–01071–6





