Es ist geradezu ein symbolträchtiges Thema in der Anthropologie: Seit Primaten als die Vorfahren des Menschen gelten, stand die Frage im Raum, wann sich in der Evolutionsgeschichte der typisch menschliche Gang entwickelt hat. Unsere Spezies, Homo sapiens sapiens, ist nach heutigem Stand der Forschung vor etwa 200.000 bis 300.000 Jahren entstanden. Die Gattung Homo, die verschiedene menschliche Vertreter umfasste, gilt als etwa zwei bis 2,5 Millionen Jahre alt. Für noch tiefere Blicke in die Entwicklungsgeschichte ist der Ausdruck Homininen beziehungsweise Hominiden für die Vertreter aus unserem Stammbaum üblich. Die Frage, wann sich der aufrechte Gang bei ihnen entwickelt hat, ist wichtig, denn Antworten können Einblicke darin geben, wie unsere frühen Vorfahren lebten, jagten und sich entwickelten.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Geschichte des zweibeinigen Laufens weit in den Stammbaum des Menschen zurückreicht. Man geht allerdings davon aus, dass im Rahmen dieser Entwicklung die frühen zweibeinigen Wesen noch einige Zeit eine gebeugte Haltung beim Laufen einnahmen. Die ältesten bekannten Fußspuren, die einen zweibeinigen Gang dokumentieren, wurden an zwei Stellen am Fundort Laetoli in Tansania entdeckt. Die Spur mit der Bezeichnung G ist bereits seit 1978 bekannt und stammt von drei Individuen. Im Jahr 2015 haben Forscher allerdings noch weitere Fußabdrücke entdeckt: Diese Spur S befindet sich 150 Meter vom Fundort G entfernt und stammt von zwei Individuen.
Zweibeinig unterwegs – aber wie?
Datierungen der Spuren zufolge sind in beiden Fällen vor etwa 3,6 Millionen Jahren Wesen auf zwei Beinen in Laetoli unterwegs gewesen. Ihre Fußabdrücke im weichen Untergrund wurden durch die Asche eines Vulkanausbruchs konserviert. Es gibt Vermutungen, dass sie von Vertretern des Australopithecus afarensis stammen – dieser Hominidenform gehörte auch die weltbekannte Lucy an, deren Skelettreste Anthropologen 1974 in Äthiopien entdeckt haben. Anatomische Merkmale der Fossilien legen eine zumindest zweibeinige Gangart bei A. afarensis nahe.
Den Merkmalen der Spuren am Fundort G haben Forscher schon verschiedene Untersuchungen gewidmet. Die bisherigen Ergebnisse haben den Wesen auch bereits einen aufrechten Gang attestiert. Zu diesem Schluss war eine frühere biomechanische Analyse der Forscher um David Raichlen von der University of Arizona ebenfalls gekommen, bei der sie die Spuren vom Fundort G mit experimentell erzeugten Versionen verglichen haben. Wie Raichlen und sein Team auf dem der Jahrestagung der American Association of Anatomy in San Diego berichten, bestätigen ihre neueren Daten nun diese Ergebnisse und erweitern sie.





